Zum Flügel braucht man Flügel!

Disclaimer:
Ich kenne keine der in der Geschichte vorkommenden Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens. Jegliche Handlungen entspringen meiner Fantasie und ich möchte niemandem damit zu nahe treten. Jeder gehört nur sich selbst. Ich verdiene mit dieser Geschichte kein Geld. Allerdings erhebe ich Anspruch auf die Urheberrechte der von mir geschaffenen Charaktere und Handlungsabläufe.

 

Zärtlich strich Björn Mario immer wieder durch die Haare und über den Rücken. Dabei murmelte er beruhigende Worte und hielt ihn einfach fest. Lange Zeit später versiegten Marios Tränen endlich und er wurde wieder ruhiger. Doch Björn hatte seine Arme immer noch um ihn gelegt.

„Deinen Arm muss sich ein Arzt ansehen Mario.“, erklärte er schließlich leise.

„Keinen Arzt!“, erwiderte er nur und schmiegte sich näher an Björn heran.

Ganz so als würde er Schutz suchen. Björn seufzte nur unhörbar und festigte seinen Griff um ihn.

„Dann tu mir wenigstens den Gefallen und lass Anssi deinen Arm ansehen.“

„Anssi?“, fragte Mario leise nach.

„Ja! Anssi Ørri, er ist der Physiotherapeut unseres Teams. Ich wäre zwar beruhigter, wenn du zu einem Arzt gehst und dich untersuchen lässt aber das wäre zumindest eine Alternative.“

Da Mario in diesem Moment bewusst wurde, dass sich Björn wirklich Sorgen um ihn machte schluckte er nur hart und nickte dann leicht. Direkt spürte er jedoch wie er ihm nochmals durch die Haare strich und schließlich erleichtert lächelte. In diesem Moment war Mario kurz davor wieder in Tränen auszubrechen. Er war fast 17 Jahre alt, aber es war das erste Mal, dass es wirklich jemanden gab der sich Sorgen um ihn und sein Wohlbefinden machte.

„Danke!“, flüsterte Björn nur.

Über einen etwas abseits gelegenen Fußweg gingen die beiden kurz darauf wieder in die Stadt zurück. Die gesamte Zeit über sprachen sie dabei kein Wort. Doch Björn musste zugeben, dass ihn die Stille unruhig werden lies. Er hatte Angst um Mario und wollte nichts mehr als wissen was passiert war. Denn aus einem seltsamen Grund heraus hatte er den Eindruck, dass diese Verletzung mit ihm selbst zu tun hatte.

„Sagst du mir eigentlich woher die Verletzung kommt?“, platzte es aus ihm heraus als er die Stille nicht mehr aushielt.

Mario seufzte daraufhin nur leise und sah zu Boden.

„Er hat uns gesehen!“, murmelte er dann.

„Wer…?“, setzte Björn nur an bevor ihm klar wurde was er meinte. „Oh nein!“

„Oh doch!“, erwiderte Mario bitter. „Ich hab ihn schon lange nicht mehr so sauer erlebt.“

„Oh Mario! Das tut mir so…“

Bevor er seinen Satz beenden konnte hatte er sich jedoch zu ihm umgedreht und Björn einen Finger auf die Lippen gelegt.

„Sag das nicht! Bitte entschuldige dich nicht dafür! Nicht für einen so schönen Moment der mir soviel Kraft gegeben hat.“

„Wenn ich mich für etwas entschuldigen würde, dann dafür was aus dieser Situation entstanden ist. Das was ich getan habe bereue ich nicht, überhaupt nicht. Und das Abendessen schulde ich dir auch noch.“

„Ich bin so froh, dass ich dich getroffen hab.“, erklärte Mario leise und lächelte leicht.

„Wir beide werden jetzt deinen Arm ansehen lassen und danach machen wir uns einen schönen Abend.“

„Ich will dich nicht noch mehr in all das hineinziehen Björn. Mein Vater…“

Björn schüttelte daraufhin nur den Kopf.

„Mario, ich hab dir schon mal gesagt, dass ich dich kennen lernen möchte. Mir geht es um dich und nicht um deinen Vater.“, erwiderte er entschieden.

Bevor Mario nun antworten konnte fiel ihm auf, dass sie bereits vor dem ‚Bischofshofen’, dem Mannschaftshotel der norwegischen Mannschaft, standen. Zielsicher ging Björn dann auf eines der Zimmer zu, dort klopfte er auch an die Türe. Nur wenige Minuten später öffnete ein junger Mann die Türe. Mario schätzte ihn auf Mitte dreißig, freundlich lächelnd und gleichzeitig besorgt sah er Björn an.

„Hallo Björn! Was ist kann ich etwas für dich tun? Hast du Probleme mit deinem Knöchel?“

„Nein!“, er schüttelte nur den Kopf. „Du müsstest mir einen Gefallen tun Anssi.“

„Klar! Womit kann ich dir helfen?“, wollte Anssi dann wissen und öffnete die Türe damit Björn eintreten konnte.

„Es geht nicht um mich, es geht um ihn.“, erwiderte er und deutete auf Mario der an der Flurwand lehnte und die beiden beobachtete. „Anssi, das ist Mario Innauer, ein Kollege aus dem Team Österreich. Mario das ist Anssi.“

Verwirrt sah Anssi kurz zwischen Mario und Björn hin und her. Mit einem leisen Seufzen trat er dann endgültig aus der Türe und lies sie in das Zimmer.

„Würdest du mir bitte erklären was hier los ist Björn?“, wollte Anssi schließlich wissen und setzte sich auf den Sessel im Raum, Björn und Mario ihm gegenüber.

„Könntest du dir Marios Handgelenk ansehen?“

„Sicher!“, meinte er nur. „Aber das Team Österreich hat doch selbst sehr gute Betreuer…“

„Es ist eine lange Geschichte, aber es wäre gerade wichtig, dass es unter uns bleibt.“

Ernst sah Anssi die beiden dann an.

„Habt ihr Probleme? Kann ich euch irgendwie helfen?“

„Danke Anssi! Aber das ist nicht nötig. Es wird sicher alles wieder in Ordnung kommen.“, murmelte Björn.

„Gut! Wenn was ist dann sag es einfach, ja?“

„Klar!“, lächelte Björn.

Somit stand Anssi auf und kniete sich vor Mario.

„Würdest du bitte deine Jacke ausziehen?“

Er nickte daraufhin nur und versuchte aus der Jacke zu schlüpfen. Als er das Handgelenk dabei bewegte kam der Schmerz direkt wieder zurück, fest presste er die Augen zusammen. Plötzlich spürte Mario jedoch ein Paar warme Hände die ihm vorsichtig den Ärmel der Jacke auszogen. Als er aufsah blickte er direkt in Björns Augen, genau erkannte er die Besorgnis darin. Schließlich nahm Anssi vorsichtig Marios Hand in seine und besah sie. Schließlich atmete er hörbar aus.

„Das was ich jetzt tue wird wehtun Mario. Aber ich muss es machen, ich muss nach den Knochen des Gelenks und der Hand tasten um zu sehen ob sie verletzt oder sogar gebrochen sind.“

„Ist gut!“, antwortete Mario nur.

Doch das Zittern konnte er nicht ganz aus seiner Stimme nehmen. Kurz darauf hatte Anssi seine Finger in Marios Haut gedrückt. Dieser keuchte kurz auf als ihm der Schmerz den Atem nahm. Direkt war Björn aber an seiner Seite und hatte die unverletzte Hand in seine genommen.

„Geht’s?“

„Geht schon!“, antwortete Mario durch zusammengepresste Zähne.

Wenig später hatte Anssi auch bereits seine Untersuchung abgeschlossen, vorsichtig legte er Marios Hand auf die Lehne des Sessels auf dem er saß. Dann seufzte er leise.

„Anssi?“, fragend sah Björn ihn an.

„Ich würde dringend dazu raten, dass er das Gelenk und die Hand röntgen lässt.“

„So schlimm?“

„Ich kann keine genaue und abschließende Diagnose stellen, zudem bin ich auch kein Arzt Björn. Aber nachdem was ich tasten kann, gehe ich davon aus, dass zumindest das Kahnbein gebrochen ist. Wenn nicht sogar mehrere Knochen betroffen sind.“, seufzte Anssi.

„Und das es nur ein Bänderriss ist?“

„Glaub ich leider nicht. Wenn das Band reißt dann würde das gesamte Gelenk instabil und es würde zu einem starken Bluterguss in das umliegende Gewebe kommen. Und an der Stelle wo das Band gerissen ist würde sich eine sichtbare Delle bilden. Aber typisch für einen Bruch ist eben nur die Schwellung und der Schmerz, sei es bei der Bewegung oder bei direktem Druck auf den Knochen.“

„Was wäre die Ursache für so eine Verletzung?“, wollte Björn angespannt wissen.

„Die hauptsächliche Ursache für einen Kahnbeinbruch wäre direkte Gewalteinwirkung. Also beispielsweiße wenn du stürzt und versuchst dich mit der ausgestreckten Hand abzufangen.“

Mit tiefer Besorgnis in seinem Blick hatte sich Björn schließlich vor Mario gekniet und suchte den Blickkontakt zu ihm.

„Mario bitte! Sag mir was passiert ist. Du bist bei den Sprüngen nicht gestürzt und in der Sprungpause war ich bei dir. Was ist passiert?“

„Er hat uns gesehen, er hat mich zur Rede gestellt, er hat mich geohrfeigt und weil ich nicht damit gerechnet hab bin ich nach hinten gestolpert und gefallen. Und der Rest ist so wie es Anssi gesagt hat. Ich wollte mich abstützen und das wars.“, erklärte Mario.

Dabei war es ihm jedoch anzusehen wie schwer ihm all das fiel.

„Dieser miese Bastard!“, flüsterte Björn erschüttert.

Geschockt sah Anssi ihn nur an, Mario hatte währenddessen seinen Kopf gesenkt und sprach nicht mehr.

„Ich fass das nicht! Ich fass das einfach nicht!“, wiederholte Björn nur.

Erst als er das leichte Zittern von Marios Schultern erkannte bekam er sich wieder in den Griff. Vorsichtig zog er ihn in seine Arme und hielt ihn während Mario bittere Tränen weinte.

„Also was schlägst du jetzt vor Anssi?“, fragte Björn leise als er Mario fest gegen sich gedrückt hielt.

„Krankenhaus, Röntgen und eventuell einen Gips oder zumindest eine Schiene.“

„Nein!“

Überrascht sah Björn Mario nur an als dieser sich plötzlich straffte und aufrichtete.

„Ich muss morgen auf die Schanze Björn! Und ich kann nicht mit Gips springen!“

„Mario bitte!“, murmelte Björn hilflos.

„Es geht nicht anders! Und das weißt du! Wenn ich morgen nicht springe wird alles noch viel schlimmer!“

Schließlich sahen beide Anssi an. Dieser zuckte nur kurz mit den Schultern.

„Ich kann das Gelenk tapen, auch wenn ich es nicht gerne tue. Und es wird auch nicht lange so halten. Dafür könntest du am Springen morgen teilnehmen. Aber danach musst du unbedingt zu einem Arzt.“

„Gut!“, entschieden nickte Mario nur.

Björn erwiderte dazu gar nichts mehr, vielmehr lehnte er sich gegen einen der Schränke im Zimmer und sah ihn mit einem undeutbaren Gesichtsausdruck an. Die gesamte Zeit über beobachtete Anssi wie Mario den Blickkontakt zu Björn hielt und sie sich über Blicke zu verständigen schienen. Dabei wurde ihm zum ersten Mal bewusst, dass er eigentlich keine Ahnung davon hatte was hier gerade passiert war. Mit einem Kopfschütteln nahm er schließlich das Klebeband aus seiner Reisetasche und wickelte es straff um Marios Hand und das Gelenk.

„Fertig!“

„Danke!“, murmelte Mario leise.

Anssi nickte daraufhin nur. Nur wenig später hatte Mario seine Jacke wieder angezogen, war aufgestanden und hatte das Zimmer verlassen. Perplex sah Björn ihm für einige Momente nur nach. Dann straffte er sich, verabschiedete sich von Anssi und folgte ihm. Vor dem Hotel hatte er Mario schließlich eingeholt. Kurz beobachtete er ihn einfach nur. Mario schien seltsam angespannt zu sein, mit einem fast wütenden Ausdruck auf seinem Gesicht starrte er dabei das Tape um seine Hand an.

„Muss ich dir eigentlich jedes Mal nachlaufen?“, wollte er leise wissen und trat neben Mario.

Überrascht fuhr dieser herum und sah Björn an.

„Tut mir Leid.“

„Was ist los Mario? Deine Hand wird…“

„Wegen ihm habe ich mir die Hand gebrochen Björn!“, meinte Mario ärgerlich. „Nur weil ich mich nicht so verhalten habe wie er es wollte hat er mich geschlagen und ich bin gestürzt! Wann hört das auf? Wann hört das endlich auf?“

„Komm her!“, flüsterte Björn nur und zog ihn fest an sich.

Direkt kuschelte sich Mario auch an ihn.

„Ich pass auf dich auf!“

Leise seufzte Mario daraufhin. Warum hatte er in Björns Armen nur immer das Gefühl, dass wirklich alles besser werden würde?

 

28.12.08 19:46, kommentieren

Zum Fliegen braucht man Flügel!

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Ich kenne keine der in der Geschichte vorkommenden Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens. Jegliche Handlungen entspringen meiner Fantasie und ich möchte niemandem damit zu nahe treten. Jeder gehört nur sich selbst. Ich verdiene mit dieser Geschichte kein Geld. Allerdings erhebe ich Anspruch auf die Urheberrechte der von mir geschaffenen Charaktere und Handlungsabläufe.

 

Björn hatte ihn geküsst! Langsam sickerte diese Erkenntnis in Marios Gehirn. Anfangs hatte er gar nicht so darauf geachtet was Björn getan hatte, viel zu sehr war er in seinen Gedanken gefangen. Doch jetzt hatte er ein paar Minuten für sich selbst und da kehrte er schnell zu dieser Situation zurück…

„Hast du eigentlich Kopfschmerzen oder ist sonst etwas nicht in Ordnung?“

Überrascht fuhr Mario herum und sah dabei direkt in Thomas Gesicht. Dieser saß neben ihm und musterte ihn mit einem besorgten Blick.

„Nein, bei mir ist alles in Ordnung. Warum fragst du?“

„Na ja, du streichst dir die ganze Zeit so komisch über die Stirn.“, meinte er nur und zuckte mit den Schultern.

Erst in diesem Moment fiel Mario auf, dass er völlig in Gedanken versunken immer wieder die Stelle berührt hatte an der Björns Lippen gewesen waren. Ganz so als könnte er sie immer noch fühlen. Was machte dieser Mann eigentlich mit ihm?

„Kommst du eigentlich nachher mit?“

„Wohin?“, wollte Mario verwirrt wissen.

„Georg hat Morgen Geburtstag und will reinfeiern.“, erwiderte Thomas fast schon genervt. „Das weißt du aber seit, lass mich überlegen, zwei Wochen.“

„Tut mir Leid! Hab ich vergessen. Kann doch mal vorkommen.“, murmelte Mario verschämt.

„Eher von anderen Dingen abgelenkt!“, kicherte Thomas nur.

„Arsch!“, grummelte Mario und boxte ihm leicht in die Seite.

„Immer diese Aggressivität!“

Bevor Mario jedoch etwas antworten konnte wurde die Türe zu ihrem Container nochmals geöffnet. Fast schon erschrocken war er jedoch davon, dass sein Vater herein kam, denn während der Springen hatte er eigentlich keinen Grund im Bereich der Springer zu sein. Und auch der Ausdruck auf seinem Gesicht war nicht sehr freundlich. Scheinbar spürte auch Thomas seine Unsicherheit, denn er drückte kurz seine Hand.

„Wenn du mich brauchst dann sag es!“, flüsterte er.

„Danke!“

„Mario? Kommst du mal?“

Dieser schluckte schwer als er erkannte, dass die Stimme seines Vaters einen aggressiven Unterton hatte. Er konnte sich jedoch nicht erklären warum das der Fall sein sollte.

„Ich komm schon!“, meinte er nur und stand auf.

Schnell folgte er dann seinem Vater nach draußen, dieser baute sich vor ihm auf und fixierte ihn mit einem harten Blick.

„Willst du uns eigentlich alle blamieren oder was hast du vor?“, wollte Anton schließlich wissen.

„Was meinst du?“, fragte Mario leise zurück da er wirklich keine Ahnung hatte was sein Vater sagen wollte.

„Ich habe dir verboten dich mit diesem Romoeren abzugeben!“, grollte er.

Fast schon automatisch wich Mario einen Schritt zurück, denn er kannte diese Stimmlage seines Vaters sehr genau. Er war nur noch mühsam beherrscht, riss sich aber zusammen, weil sie in der Öffentlichkeit waren und jederzeit jemand auf ihn aufmerksam werden konnte.

„Björn ist…“

„Es ist mir egal!“, unterbrach Anton ihn barsch. „Ich hab dir schon gesagt, dass ich nicht will, dass du mit gegnerischen Springern Kontakt hast!“

„Das weiß ich!“, entgegnete Mario entschieden. „Aber ich hab Björn gerne und ich werde mir den Kontakt zu ihm nicht verbieten lassen!“

„Du ‚hast ihn gerne’?“, wiederholte er fast schon höhnisch. „Deshalb lässt du dich auch von ihm küssen oder was?“

Erschrocken keuchte Mario auf. Sein Vater hatte diese höchst private Situation zwischen Björn und ihm, seinen Moment der Schwäche mit angesehen?

„Das geht dich nichts an!“, presste er schließlich mühsam hervor.

Bevor er nun noch reagieren konnte hatte sein Vater ausgeholt und ihn geohrfeigt. Völlig überrascht davon stolperte er schließlich einen Schritt nach hinten und stürzte. Dabei versuchte er sich noch abzufangen, doch alles was er noch fühlte war ein stechender Schmerz in seinem linken Arm als er sich damit abstützen wollte. Für einen kurzen Moment nahm der Schmerz ihm auch den Atem, fest presste er die Augen zusammen bis er endlich nachließ.

„Manchmal glaube ich wirklich, dass du den Namen Innauer nicht wert bist!“, erklärte Anton wenig später.

Ohne sich um ihn zu kümmern hatte er sich umgedreht und war davon gegangen. Sprachlos starrte Mario ihm für ein paar Momente nur nach, dann rappelte er sich mühsam auf und ging wieder in den Container zurück. Thomas saß immer noch dort und sah ihm besorgt entgegen.

„Alles klar?“, wollte er dann wissen.

Mario nickte auf diese Frage hin nur. Kurz darauf hatte er sich in eine Ecke des Containers gesetzt und die Beine dicht an den Körper gezogen.

„Mario?“

Völlig perplex ging Thomas zu ihm und setzte sich neben ihn auf die Bank. Erschrocken fiel ihm dabei die rötliche Stelle an dessen Wange auf, als er jedoch genauer hinsah erkannte er, dass sich genau fünf Finger dort abzeichneten.

„Sag mir, dass er das nicht getan hat! Verdammt Mario! Sag mir, dass er dich nicht geschlagen hat!“, bat er fast schon.

Als er jedoch Marios leises Schluchzen hörte war das Antwort genug. Vorsichtig legte er ihm die Arme um und zog ihn an sich.

„Es wird alles wieder gut.“, flüsterte Thomas immer wieder. „Soll ich Björn fragen ob er herkommt?“

„Nein!“, war alles was Mario darauf noch antwortete.

Kurz darauf hatte er sich von Thomas losgemacht und wischte sich die Tränen ab.

„Sag es keinem! Bitte Thomas!“

„Natürlich! Du hast mein Wort!“

„Danke!“

Fragend beobachtete er dann jedoch wie Mario mit der rechten Hand sein linkes Handgelenk hielt, fast schon so als wollte er es dadurch stabilisieren. Und dabei musste er zugeben, dass er diese Geste genau von sich selbst kannte. Damals war er bei einem Sprung gestürzt und hatte sich das Handgelenk angebrochen, da jede Bewegung jedoch Schmerzen verursacht hatte, hatte er es anfangs mit der gesunden Hand gestützt. Bevor er jedoch etwas sagen konnte hatte Mario den Reisverschluss seines Sprunganzugs zugezogen und sich seine Startnummer wieder übergezogen.

„Ich muss auf die Schanze!“, erklärte er.

Genau erkannte Thomas jedoch den kurzen schmerzhaften Ausdruck auf Marios Gesicht als er mit der linken Hand nach seinen Ski griff. Schnell war er dann jedoch aus dem Container gegangen und hatte ihn zurückgelassen…

*.*

Währenddessen saß Björn wieder im ‚Family and Friends’ – Bereich und unterhielt sich dort mit einem Offiziellen aus dem norwegischen Team. Er sah erst wieder auf als sich jemand neben ihn setzte, überrascht erkannte er jedoch wer es war. Anton Innauer! Und aus einem seltsamen Grund heraus war ihm klar, dass die Begegnung mit ihm keine angenehme werden würde.

„Das was ich ihnen jetzt sage werde ich ihnen nur ein einziges Mal sagen.“, erklärte Anton plötzlich.

Dabei war seine Stimme so leise, dass niemand außer Björn sie verstehen konnte und sein Blick war direkt auf die Schanze gerichtet.

„Und was wäre das?“, fragte Björn zurück.

„Lassen sie die Finger von meinem Sohn!“

„Ich denke, dass Mario alt genug ist um die Entscheidung mit wem er seine Zeit verbringt selbst treffen kann.“, erwiderte er so ruhig wie möglich.

„Mario ist noch nicht volljährig und so lange habe ich die Verantwortung für ihn. Und sie sind kein geeigneter Umgang für ihn! Also lassen sie ihn in Ruhe! Ich denke ich habe mich klar genug ausgedrückt!“

Ohne Björns Antwort noch abzuwarten war Anton kurz darauf davongegangen. Björn blieb nur völlig fassungslos zurück und schüttelte den Kopf. Was war das jetzt gewesen? Doch genauso wusste er, dass er Mario niemals wegen einer leeren Drohung wie dieser aufgeben würde!

Erst als der Stadionsprecher das Qualifikationsspringen ankündigte schreckte er wieder auf. Dabei nahm er jedoch kaum wahr wie die Ersten ihre Sprünge absolvierten. Schließlich schüttelte er leicht den Kopf, dabei versuchte er jedoch einfach die Erinnerungen abzuschütteln. Schließlich richtete sich seine Aufmerksamkeit jedoch auf Mario der seinen Platz auf der Schanze einnahm. Und in diesem Moment wusste Björn, dass etwas nicht in Ordnung war. Was das war konnte er nicht sagen, aber irgendetwas störte ihn an der Art wie Mario sich bewegte oder besser gesagt seinen Arm. Als er jedoch kurz darauf abgewunken wurde beobachtete Björn seinen Sprung. Und er musste zugeben, dass Roar Recht hatte, Mario hatte eindeutig Talent für diesen Sport. Mit angehaltenem Atem wartete er schließlich darauf wie viele Meter es dieses Mal sein würden. Soweit er das beurteilen konnte war der Sprung sehr weit gewesen. Als er an die Anzeigentafel sah erkannte er auch, dass er es wirklich geschafft hatte. 131,5m! Mario hatte es also doch geschafft.

„Damit schulde ich dir ein Abendessen!“, lächelte Björn.

Überrascht stellte er jedoch fest, dass er fast so etwas wie Stolz auf Mario fühlte. Am liebsten wäre er direkt zu ihm gegangen um ihm zu gratulieren, doch er wollte erst abwarten was Roar aus seinem Sprung machen konnte. Somit wartete er ungeduldig und hibbelig darauf, dass sein bester Freund auf die Schanze stieg.

„Nicht noch mal Roar!“, flüsterte er nur als er ihn endlich erkannte.

Denn dieser wirkte wieder sehr angespannt.

„Du sollst locker bleiben!“, murmelte er und sah aufmerksam auf die Schanze.

Frustriert seufzte er als Roar seinen Sprung wieder verpatzte. Mit 125,5m war er ganze sechs Meter weniger gesprungen als Mario. Für diesen reichte es schließlich zu einem sehr guten 12. Platz während sich Roar mit dem 30. Platz zufrieden geben musste.

„Ach Roar!“, Björn seufzte leise.

Schließlich stand er auf und schob sich durch die Menschen die gerade den Bereich um die Schanze verließen. Dabei war er als erstes auf der Suche nach Mario, um ihm zu gratulieren. Denn er wusste von Roar, dass dieser nun erst einmal Zeit brauchte um sich zu beruhigen. Somit ging er zum Bereich der österreichischen Mannschaft hinüber. Wobei er nicht die Hoffnung hatte Mario alleine zu treffen, denn nach den Springen herrschte immer große Hektik in den Bereichen der Mannschaften. Erschrocken keuchte Björn jedoch auf als er plötzlich gegen jemanden stieß. Als er der Person vor sich dann ins Gesicht sah wurde ihm auch klar wer ihm nun gegenüberstand, nämlich Thomas Morgenstern. Dieser lächelte nur freundlich als er ihn erkannte.

„Mario ist sich kurz umziehen gegangen.“, flüsterte er ihm schließlich zu. „Er kommt aber gleich wieder.“

„Danke!“, erwiderte Björn perplex.

„Passen sie auf ihn auf!“, fügte Thomas noch hinzu und ging dann davon.

Völlig überrascht sah er ihm für ein paar Momente nach. Er wurde jedoch abgelenkt als Mario wiederkam, erstaunt sah er ihn dann an. Mario sah fast schon krampfhaft auf den Boden, seine Jacke hatte er bis oben geschlossen und schien sich darin verstecken zu wollen. Mit langsamen bedachten Schritten kam er wenig später dann zu den Containern. Björn war sich dabei sicher, dass er ihn gesehen hatte, doch Mario wand sich mit einem traurigen Blick von ihm ab und ging in eine andere Richtung davon. Geschockt stand Björn einfach da und schüttelte den Kopf. Was hatte das jetzt zu bedeuten? So schnell er konnte war er Mario dann gefolgt. Ein paar Meter von der Schanze entfernt hatte er ihn auch eingeholt.

„Mario! Mario warte!“, meinte er nur.

Dieser blieb wirklich stehen, doch er vermied es dabei Björn anzusehen. Und er musste gestehen, dass er begann sich Sorgen zu machen. Mehr um seine Aufmerksamkeit zu bekommen legte er Mario schließlich eine Hand auf den linken Arm. Erschrocken zog er sie jedoch wieder zurück als erkannte wie er kurz, unter Schmerzen, zusammenzuckte.

„Hab ich dir wehgetan?“, fragte er besorgt nach.

„Nein!“, Mario schüttelte nur den Kopf.

„Was ist denn dann los?“

Da er ihm nun gar nichts mehr erwiderte nahm Björn vorsichtig dessen Hand in seine und schob den Ärmel der dicken Winterjacke nach oben. Geschockt erkannte er schließlich, dass Marios Handgelenk stark angeschwollen und gerötet war.

„Was ist passiert Mario?“, wollte er besorgt wissen.

Anstelle ihm zu antworten füllten sich seine Augen nun mit Tränen. In diesem Moment zog Björn ihn einfach an sich und hielt ihn fest. Sprechen konnten sie später noch. Jetzt war es erst einmal wichtig Mario zu beruhigen…

 

1 Kommentar 28.12.08 19:44, kommentieren

Zum Fliegen braucht man Flügel!

Disclaimer:
Ich kenne keine der in der Geschichte vorkommenden Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens. Jegliche Handlungen entspringen meiner Fantasie und ich möchte niemandem damit zu nahe treten. Jeder gehört nur sich selbst. Ich verdiene mit dieser Geschichte kein Geld. Allerdings erhebe ich Anspruch auf die Urheberrechte der von mir geschaffenen Charaktere und Handlungsabläufe.

 

Frustriert beobachtete Björn die Springer auf der Schanze von Bischofshofen. Sein Griff festigte sich dabei um die Krücke in seiner Hand. Über Nacht war sein Knöchel stark angeschwollen und verhinderte somit, dass er selbst mitspringen konnte. Mika hatte ihm auch ausdrücklich verboten auf die Schanze zu steigen und ihm stattdessen die Krücke gegeben damit er den Knöchel nicht noch weiter belastete. Somit war das letzte Springen der Vierschanzentournee für ihn zu Ende bevor es eigentlich begonnen hatte…

„Dann springst du also nicht.“

Überrascht fuhr Björn herum als er eine Stimme hinter sich hörte. Direkt erkannte er auch wer hinter ihm stand.

„Hallo Mario!“

„Hallo Björn! Dein Knöchel ist nicht besser geworden?“

„Nein!“, Björn seufzte leise. „Über Nacht ist alles stark angeschwollen und ich hab offizielles Sprungverbot.“

„Das tut mir Leid für dich!“, erwiderte Mario und strich ihm kurz über den Arm.

„Bin ja selbst schuld daran.“

„Hey, jetzt mach dich nicht selbst so fertig. Es war ein Unfall, du bist gestürzt. Nicht mehr und nicht weniger. Und zudem könnte ich jemanden gebrauchen der mir die Daumen drückt. Wenn du also sowieso nichts anderes vorhast…“, lächelte Mario und sah ihn an.

Für einen kurzen Moment schien sich Björn erst klar werden zu müssen was Mario gerade gesagt hatte. Dann schlich sich ein scheues Lächeln auf seine Lippen.

„Werde ich machen!“, erklärte er leise.

„Freut mich.“

„Und wie geht es dir? Schon nervös?“

„Eigentlich bin ich noch erstaunlich ruhig. Aber ich denke, dass es direkt vor dem Qualifikationsspringen nachher kommen wird.“, gab Mario zu.

„Das schaffst du sicher!“

„Siehst du dir das Springen eigentlich an oder bist du nur hier um den anderen Glück zu wünschen?“

Auf diese Frage hin lächelte Björn nur dann nickte er langsam.

„Clas, unser Sportchef hat mir einen Platz im ‚Family and Friends’ – Bereich besorgt. Ich werde also das Springen von dort aus mitverfolgen. Und im Übrigen wünsche ich nicht nur meinen Norwegern alles Gute. Sondern auch dir!“

„Danke!“, murmelte Mario nur und wurde rot.

Doch Björn war sich absolut sicher, dass das nicht an den Temperaturen lag, sondern vielmehr daran, dass Mario wirklich verlegen wurde.

„Ich glaub an dich!“, erwiderte er dann.

Ohne Marios Antwort noch abzuwarten hatte er sich schließlich umgedreht und war davon gegangen. Doch etwas mühsam humpelte er dann zum ‚Family and Friends’ – Bereich hinüber. Durch die Einlasskarte um seinen Hals hatte er auch keine Probleme mit dem Sicherheitspersonal das den Bereich von den übrigen Fans abschirmte. Mit einem leisen Seufzen lies sich Björn kurze Zeit später auf seinen Platz fallen. Er war frustriert! Sogar mehr als das! Aber er hatte selbst einsehen müssen, dass es keine Möglichkeit für ihn gab auf die Schanze zu steigen. Sonst hätte er wohl die Verletzung noch schlimmer gemacht. Und er war sich auch nicht sicher, dass er den Sprung so überhaupt hätte stehen können. Als er jedoch eine Gruppe norwegischer Fans entdeckte die ihm, über ein Plakat, gute Besserung wünschten legte sich sogar ein Lächeln auf seine Lippen. Gespannt sah Björn schließlich zur Schanze nach oben und beobachtete die Probespringer die die ersten Sprünge absolvierten. Nachdem die Schanze daraufhin freigegeben worden war traten die ersten Springer an. Doch Björn war mit seinen Gedanken nicht bei ihnen, er wartete eher darauf Mario springen zu sehen.

„Als nächstes auf der Schanze Mario Innauer, mit 16 Jahren einer der Jüngsten im gesamten Springerfeld!“

Erst die Worte des Stadionsprechers brachten Björn dazu wieder aufzusehen. Mit einem Lächeln auf den Lippen sah er dann nach oben. Trotz der Entfernung zwischen ihnen konnte er die Anspannung von Mario fast schon körperlich fühlen, denn schon dessen Körperhaltung drückte das sehr deutlich aus.

„Locker bleiben Mario! Bleib locker! Nicht verkrampfen!“, murmelte er immer wieder als er ihn bei der Sprungvorbereitung beobachtete.

Schließlich wurde er abgewunken und stieß sich daraufhin vom Balken ab. Björn beobachtete ihn mit angehaltenem Atem. Er war gespannt darauf ob Mario seine gute Form vom Springen in Innsbruck bestätigen konnte oder nicht. Denn auf eine seltsame Art nagte es immer noch an seinem Selbstvertrauen als Springer, dass Mario ihn geschlagen hatte…

Anerkennend pfiff Björn leise durch die Zähne als Mario nach einer fehlerlosen Leistung den Sprung stehen konnte. Dabei beobachtete er ihn die gesamte Zeit über, glücklich über seinen gelungenen Trainingssprung streckte er die Faust in die Luft.

„125,5 Meter! Nicht schlecht!“, murmelte Björn und sah zur Anzeigentafel.

Auch die Noten waren gut ausgefallen, somit konnte sich Mario auf den zweiten Platz schieben. Durch die Topspringer die erst nach ihm folgten wurde er zwar noch nach hinten geschoben doch der zwölfte Platz war ein gutes Ergebnis. Grinsend stellte er dabei fest, dass Roar mit ‚nur’ 124,5 Meter 14. geworden war. Und er kannte ihn lange genug um zu wissen, dass seinem besten Freund dieses Ergebnis nicht genügen würde.

Ungeduldig wartete Björn schließlich darauf, dass der zweite Durchgang beginnen würde. Nervös trommelte er auf das Plastik des Sitzes auf dem er saß. Er atmete fast schon erleichtert auf als er endlich Mario wieder auf der Schanze sah. Und dieses Mal konnte er seinen Sprung sogar noch einen Meter weiter nach unten ziehen und sprang auf 126,5 Meter.

„Das hast du richtig gut gemacht Mario!“, lächelte er.

Wenig später beobachtete Björn wie Roar auf den Balken stieg. Genau erkannte er wie angespannt er wirkte, doch eigentlich wusste er, dass Roar eine sehr große Erwartungshaltung an sich selbst hatte und deshalb auch sehr verbissen war und nun unbedingt zeigen wollte zu was er fähig war. Doch gerade diese Charaktereigenschaft hatte ihn dabei schon oft gute Sprünge gekostet.

„Roar bleib ruhig!“, murmelte Björn.

Kurz darauf hatte Mika ihn abgewunken und Roar stieß sich ab.

„Verdammt!“, fluchte Björn nur.

Denn Roar hatte den Sprung schon zu Beginn verpatzt, er hatte überdeutlich den richtigen Absprungpunkt auf dem Schanzentisch verpasst.

„Scheiße!“, war dann auch der einzige Kommentar den er noch übrig hatte als Roar aufkam.

Der Sprung war mit 121,5 Meter richtig schlecht gewesen und völlig unter seinen Möglichkeiten und reichte auch nur zum 30. Platz. Genau erkannte er auch wie Roar derb auf Norwegisch fluchte.

Da bis zum eigentlichen Qualifikationsspringen noch eine Pause angesetzt war beschloss Björn kurz zu den Springern zu gehen. Somit schob er sich durch die Menschen und stand auch bald vor den Containern der Mannschaften. Gerade als er zu seinen Mannschaftskameraden gehen wollte kam Roar heraus. Er schien wütend und gereizt zu sein. Doch wenn Björn ehrlich war hatte er nichts anderes erwartet.

„Hey Roar!“

Für einen kurzen Moment legte sich ein leichtes Lächeln auf dessen Lippen.

„Hey Björn!“

„Du kannst mehr Roar!“, erklärte Björn nur leise.

„Ich weiß!“, grummelte er.

Mit plötzlicher Wut fuhr er herum und schlug die Faust gegen die Metallwand des Containers.

„Der Sprung ging völlig daneben! Ich hab keine Ahnung woran es lag.“, dann schmunzelte er nur. „Sogar Mario ist besser gesprungen als ich. Der Junge hat wirklich was drauf!“

Nach dieser Aussage hatte Roar Björn zurückgelassen. Dieser starrte ihm einfach nur hinterher. Grinsend schüttelte er den Kopf als er Roar leise lachen hörte. Somit wand er sich ab und ging zu den Österreichern hinüber. Dabei hatte er sogar das Glück, dass er Mario alleine vor dem Container erkannte. Er hatte die Arme fest um sich geschlungen, den Kopf gegen das Metall gelehnt und die Augen geschlossen. Leise ging Björn schließlich an ihn heran.

„Du warst großartig!“

Erschrocken zuckte Mario zusammen und fuhr herum als jemand ihn plötzlich ansprach. Schwer atmend sah er Björn nur an, dieser kicherte leise.

„Mach das nicht noch mal!“, grinste er schließlich.

„War nicht böse gemeint.“, erwiderte Björn.

Mario lächelte dann doch und boxte ihm leicht gegen den Arm.

„Ist ganz gut gelaufen.“

„Jetzt sei doch nicht so bescheiden!“

„Na ja, das eigentliche Quali – Springen kommt ja erst noch.“

„Also das schaffst du auch noch.“

Unwirsch strich sich Mario die Haare aus der Stirn und seufzte leise.

„Warum wirst du jetzt unsicher? Du hast zwei tolle Sprünge gemacht Mario! Und der Quali – Sprung wird sicher auch gut laufen.“

„Wenn selbst Roar patzt?“, fragte Mario leise.

In diesem Moment verstand Björn warum Mario plötzlich unsicher war. Er zweifelte sowieso an sich und wenn er jetzt sah, dass selbst die Besten ihre Sprünge nicht sehr gut schafften schürte das die Zweifel an sich noch mehr.

„Du kannst das Mario! Du hast soviel Talent für diesen Sport! Lass dir von niemandem etwas anderes sagen! Und hör auf an dir zu zweifeln. Wenn du willst drück ich dir auch wieder die Daumen.“

„Danke Björn!“

Ohne genau darüber nachzudenken was er tat lehnte Mario seinen Kopf gegen Björns Brust. Dieser reagierte zwar etwas überrascht legte jedoch schnell ebenfalls die Arme um ihn.

„Weißt du eigentlich, dass du einer der ersten bist die jemals meine Fähigkeiten gelobt haben?“

„Ich geh sogar noch weiter.“, lächelte Björn.

Fragend sah Mario ihn nur an.

„Also ich bin der Meinung, dass du ohne Probleme die 130 Meter schaffen könntest. Somit würde ich dir einen Vorschlag machen.“

„Und welchen?“

„Spring die 130 Meter und ich lad dich zum Abendessen ein.“, meinte Björn.

Auf diesen Vorschlag hin lächelte Mario nur. Er war zwar, im Gegensatz zu Björn, nicht der Meinung, dass er diese Weite schaffen konnte, doch einen Versuch war es immerhin wert.

„Gut! Ich werd mein möglichstes tun!“

Björn hauchte ihm daraufhin einfach einen Kuss auf die Stirn.

„Bleib locker!“

Nach diesem Ratschlag verabschiedete sich Björn und ging wieder zum ‚Family and Friends’ – Bereich zurück. Dabei dachte er immer wieder darüber nach wie er auf die Idee gekommen war Mario einzuladen. Doch er hatte einfach diese verdammten Selbstzweifel nicht mehr ausgehalten. Und zudem war er der Meinung, dass Mario die 130 Meter wirklich springen konnte…

 

1 Kommentar 28.12.08 19:42, kommentieren

Zum Fliegen braucht man Flügel!

Disclaimer:
Ich kenne keine der in der Geschichte vorkommenden Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens. Jegliche Handlungen entspringen meiner Fantasie und ich möchte niemandem damit zu nahe treten. Jeder gehört nur sich selbst. Ich verdiene mit dieser Geschichte kein Geld. Allerdings erhebe ich Anspruch auf die Urheberrechte der von mir geschaffenen Charaktere und Handlungsabläufe.

 

„Bin ich satt!“, murmelte Mario nur und lehnte sich gegen das Kopfteil des Bettes.

Auf diesem saß er in der Zwischenzeit, neben Björn. Sie hatten gemeinsam gefrühstückt und dabei wirklich viel Spaß gehabt.

„Also du musst dir darum sicher keine Sorgen machen! So dünn wie du bist kannst du ein paar Kilo mehr gut gebrauchen.“

Mario wurde daraufhin verlegen, sehr schnell versuchte er dann wieder gelassener zu werden.

„Wie du bei dieser Küche so schlank bleiben konntest werde ich wohl auch nicht verstehen!“, grinste er und stupste Björn mit dem Finger gegen den Bauch.

Denn sie hatten ‚norwegisch’ gefrühstückt, wie Björn es nannte. Doch es meinte einfach nur, dass es sehr reichhaltig gewesen war.

„Gute Gene?“, meinte Björn trocken.

Für den Bruchteil einer Sekunde bemühte sich Mario ernst zu bleiben, aber es gelang ihm nicht. Schließlich brach er in schallendes Lachen aus.

„Tz!“, grinsend verschränkte Björn die Arme vor der Brust.

Er stöhnte jedoch kurz auf als er dabei sein Handgelenk abwinkelte. Sofort war Mario daraufhin wieder ernst geworden. Besorgt suchte er den Augenkontakt zu Björn.

„Geht’s?“

„Muss ja!“, erwiderte Björn durch zusammengepresste Zähne.

Dabei starrte er finster auf sein Handgelenk. Es war zwar nicht geschwollen jedoch deutlich rot geworden.

„Was hast du?“, wollte Mario leise wissen.

„Ich versteh nicht wie ich so dumm sein konnte! Es war ein Trainingssprung, ein einfacher Trainingssprung Mario! Dabei springe ich seit meiner Kindheit und hab diese Art Sprünge schon mehrere hundert Mal absolviert. Aber jetzt, wenn es um wirklich etwas geht, dann versage ich und stürze.“

Bevor er sich selbst darüber klar wurde was er tat hatte Mario Björns unverletzte Hand in seine genommen und drückte sie sanft.

„Niemand ist unfehlbar Björn. Auch der Weltrekordhalter im Skifliegen nicht.“

Auf diese Anspielung hin lächelte er sogar ein wenig.

„Es ärgert mich aber trotzdem.“, antwortete Björn leise.

Sein Blick ruhte dabei immer noch auf ihren Händen. Eigentlich wusste er, dass es ein Spiel mit dem Feuer war und sein Verstand sagte ihm auch deutlich, dass er diese Nähe so schnell wie möglich unterbinden sollte. Doch er konnte sich einfach nicht dazu bringen Marios Hand wieder loszulassen. Denn die leichte Wärme und vor allem die Nähe zu ihm war seltsam schön. Auch wenn er es nicht verstehen konnte, schließlich kannten sie sich erst seit kurzem. Seine Gedanken wurden jedoch unterbrochen als es an der Türe klopfte.

„Ich geh schon!“, meinte Mario nur und stand auf.

Dabei lies er auch Björns Hand los. Erschreckt stellte dieser für sich selbst fest, dass ihm sofort der Kontakt zu Mario fehlte. Mühsam rieb er sich mit einer Hand über die Augen. Er konnte, nein er durfte sich nicht in Mario verlieben! Schließlich war dieser neun Jahre jünger als er selbst, noch nicht volljährig, hatte wohl ein äußerst problembeladenes Umfeld und war zudem ein gegnerischer Springer! Gerade der letzte Punkt war auch der schwerwiegendste für ihn. Denn, wenn er ihm nahe kommen würde, würde er nie wieder den Biss haben gegen ihn zu springen und dabei um jeden Zentimeter zu kämpfen. Und nach allem was mit Maksim damals passiert war hatte er auch fast schon Angst davor sich neu zu verlieben. Nie wieder wollte er diesen Schmerz spüren müssen. Schließlich formte sich ein Gedanke in seinem Kopf. Mario war einfach zur richtigen Zeit an seiner Seite. Gerade, wenn er es nötig gehabt hatte war er eben da und half ihm. Ja, so war es wohl. Es war Schwärmerei. Simpel. Er würde abwarten bis diese Gefühle wieder verschwanden und sein Leben dann weiterleben. Genauso wie vorher auch. Doch die zweite Stimme in seinem Kopf lies sich nicht komplett ausblenden.

‚Lügner!’, flüsterte sie immer wieder.

Und Björn war mit einem Mal klar, dass er sich selbst etwas vormachte, wenn er sich einredete, dass seine Gefühle für Mario nur oberflächlich waren. Ja, verdammt! Er war dabei sich in diesen fröhlichen jungen Mann der sein Leben irgendwie strahlender machte zu verlieben…

 

Leise seufzte Mario als er zur Türe ging. Er konnte nicht mehr klar denken. Immer wenn er in Björns Nähe war schienen alle logischen Gedanken seinen Kopf zu verlassen. Kurz schüttelte er den Kopf bevor er schließlich die Türe öffnete. Überrascht sah er in ein genauso fragendes Gesicht, dunkle Augen musterten ihn. Und Mario musste zugeben, dass er genau erkannt hatte wer vor ihm stand. Anders Bardal, er war wochenlang in den Medien gewesen, weil er den Trainer der norwegischen Mannschaft kritisiert hatte.

„Eigentlich wollte ich zu Björn! Das ist doch sein Zimmer, oder nicht?“

„Ja, klar ist es das.“

Somit öffnete er die Türe ein Stück weiter und lies den anderen herein. Genau erkannte er wie Anders verwirrt den Kopf schüttelte als er an ihm vorbei ging. Erst als er Björn auf dem Bett sitzen sah wich der angespannte Ausdruck wieder und er lächelte scheu.

„Wenn ich gewusst hätte, dass du Besuch hast wäre ich später her gekommen!“, meinte er.

Doch Mario jagten diese wenigen Worte einen Schauer über den Rücken. Er konnte nicht sagen warum das so war, aber der Tonfall in Anders Stimme lies seine Worte unheimlich erscheinen. Scheinbar hatte Björn das jedoch auch bemerkt, denn seine grünen Augen wurden dunkel und er fixierte Anders mit einem harten Blick den Mario bisher nie bei ihm gesehen hatte.

„Anders!“, grollte er warnend.

Dieser zuckte nur mit den Schultern und verdrehte die Augen.

„Was?“, fragte er genervt zurück.

Björn hielt weiterhin den Augenkontakt zu ihm aufrecht. Kurz darauf hatte er ihm etwas auf Norwegisch zugerufen das Mario nicht verstanden hatte. Doch er erkannte soviel damit ihm klar war, dass es nichts Nettes gewesen war. Schließlich räusperte er sich und sah wieder zu Mario, diesem schenkte er ein scheues Lächeln.

„Also dann möchte ich kurz vorstellen. Mario das ist Anders Bardal. Anders das ist Mario, ein Springer aus dem Team Österreich.“

„Wie tief sinken kannst du eigentlich noch Romoeren?“, fragte er daraufhin fast schon angeekelt. „Eigentlich sollte ich dir nur ausrichten, dass Mika dich sprechen will. Wohl wegen morgen.“

Kurz darauf bedachte er Björn mit einem finsteren Blick und ging wieder davon. Sprachlos sah Mario ihm hinterher, Björn selbst seufzte nur schwer.

„Was sollte das gerade?“, fragte Mario schließlich leise.

Erst seine Frage schien Björn aufzuschrecken, er registrierte wohl nun wieder, dass Mario noch im Raum war.

„Das?“, murmelte er. „Das war Anders Bardal mit einem filmreifen Auftritt.“, grollte er.

Mit einem leisen Seufzten lies er sich dann wieder in die Kissen fallen.

„Es tut mir Leid, dass du das miterleben musstest.“

„Warum verachtet er dich?“

Damit, dass dieses Thema so schnell aufkommen würde hatte er nicht gerechnet, das musste Björn wirklich zugeben. Aber genauso war ihm klar, dass er Mario die Wahrheit sagen musste, wenn er jemals die Chance auf eine Freundschaft mit ihm haben wollte.

„Anders ist der beste Freund von Maksim.“

Verwirrt sah Mario Björn an.

„Wer ist Maksim?“, wollte er dann leise wissen.

„Mein Ex – Freund.“

„Oh!“, meinte Mario nur. Erst ein paar Sekunden später wurde ihm klar was Björn gerade alles gestanden hatte. „OH!“

„Wenn du jetzt gehen willst würde ich das verstehen.“

Überrascht von Björns Aussage sah Mario ihn für ein paar Sekunden nur an. Dann verstand er jedoch, dass dieser fürchtete, dass er sich nun von ihm abwenden würde. Daraufhin schlich sich ein leichtes Lächeln auf seine Lippen. Schließlich setzte er sich wieder zu Björn auf das Bett.

„Wenn du willst, dass ich gehe werde ich gehen.“, antwortete er leise.

Für ein paar Sekunden schien Björn erst verarbeiten zu müssen was Mario gesagt hatte. Kurz darauf sah er auf, direkt in warme dunkle Augen.

„Bleib!“, flüsterte er schließlich.

Als Mario daraufhin nur nickte breitete sich ein strahlendes Lächeln auf Björns Zügen aus. Dann zog er ihn einfach an sich und drückte ihn fest. Wenig später spürte er wie Mario seine Arme um ihn legte und die Umarmung komplettierte. Und für diese wenigen Momente gab es niemanden der glücklicher war als Björn…

1 Kommentar 29.11.08 18:23, kommentieren

Zum Fliegen braucht man Flügel!

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Ich kenne keine der in der Geschichte vorkommenden Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens. Jegliche Handlungen entspringen meiner Fantasie und ich möchte niemandem damit zu nahe treten. Jeder gehört nur sich selbst. Ich verdiene mit dieser Geschichte kein Geld. Allerdings erhebe ich Anspruch auf die Urheberrechte der von mir geschaffenen Charaktere und Handlungsabläufe.

 

Hibbelig stand Mario am Auslauf der Schanze von Bischofshofen. Das österreichische Team hatte sein Training bereits beendet. Doch sein Interesse galt auch eher den Springern die jetzt auf der Schanze waren, nämlich die aus Norwegen. Er konnte es sich wirklich nicht erklären, aber er vermisste Björn. Dabei hatte er ihn nur ein paar Stunden nicht gesehen. Frustriert schüttelte er den Kopf und strich sich durch die Haare. Wie war es nur möglich, dass Björn sein Leben in so kurzer Zeit so verändern konnte?

Angespannt versuchte Mario schließlich zu erkennen welcher Springer es war der sich gerade auf den Balken gesetzt hatte. Doch alles was er erkannte war ein silber – rot glänzender Helm und ein schwarzer Anzug. Bevor er jedoch den Sprung beobachten konnte trat ein dunkel gekleideter Mann zu ihm und erklärte ihm in schnellem norwegisch etwas. In diesem Moment zuckte Mario nur hilflos mit den Schultern, denn er musste zugeben, dass er nicht so gut norwegisch sprach, dass er verstanden hätte was der Mann von ihm wollte. Dieser seufzte schließlich und verdrehte die Augen.

„Du sollst verschwinden Kleiner! Hier ist kein Zutritt für Schaulustige! Komm nachher zum offiziellen Training. Da kannst du dir auch ein Autogramm hohlen!“, motzte der Mann.

Kurz darauf hatte er Mario am Arm genommen und ihn vom Auslauf weggezogen. In diesem Moment war er viel zu überrascht um zu reagieren.

„Lass ihn los Jermund!“

Überrascht fuhren die beiden herum als sie plötzlich eine amüsierte Stimme hinter sich hörten. Schließlich erkannte Mario Roar im Auslauf, die Ski hatte er bereits abgenommen und hielt sie in der Hand.

„Roar!“, der Unglaube war der Stimme des Mannes deutlich anzuhören.

Doch das schien ihn überhaupt nicht zu stören. Langsam verließ er den Bereich der Schanze, trat zu den beiden und nahm die Hand von Marios Arm.

„Darf ich vorstellen? Jermund Lunder das ist Mario Innauer, ein Kollege.“

In diesem Moment musste Mario all seinen Willen aufbieten um nicht zu lachen. Denn der Mann neben ihm wurde rot im Gesicht und starrte ihn peinlich berührt an.

„Mario das ist Jermund Lunder, unser Co – Trainer.“

Fast schon schüchtern reichte Jermund ihm in diesem Moment die Hand.

„Tut mir Leid, ich hab sie wirklich nicht erkannt.“

Doch Mario schüttelte nur den Kopf.

„Ist kein Problem.“

Kurz darauf war der Co – Trainer wieder davon gegangen. Grinsend sah Roar ihm nach.

„Gratuliere! Ich kenne ihn jetzt seit mehreren Jahren und ich hab noch nie gesehen, dass er unsicher oder so was geworden ist. Da hast du etwas geschafft, dass wir alle nicht hinbekommen haben.“, meinte er dann zu Mario. „Aber ich nehme an, dass du Björn suchst, oder?“

„Ja!“, antwortete Mario leise und spürte wie ihm die Röte ins Gesicht stieg.

„Den wirst du hier nicht finden.“, murmelte Roar.

Perplex sah Mario ihn für einige Sekunden an.

„Warum?“

„Björn ist beim Trainingssprung gestürzt und jetzt erstmal wieder ins Hotel zurück. Mika will einfach nicht riskieren, dass er nicht springen könnte.“

„Was?“, erschüttert starrte Mario für ein paar Sekunden auf die Schanze.

„Fahr zu ihm! Ich glaub er könnte jetzt jemand gebrauchen der ihn ein bisschen aufmuntert und ich kann hier nicht weg.“, lächelte Roar.

„Roar kommst du?“, rief plötzlich einer der anderen Springer.

„Ich komme Anders!“, erwiderte er. „Also ich muss dann weiter!“

Somit ging Roar wieder zu den anderen aus seiner Mannschaft um weiter zu trainieren. Immer noch fassungslos wand sich Mario ab und machte sich so schnell er konnte auf den Weg zu Björn. Eine halbe Stunde später stand er auch endlich vor dessen Zimmer. Es war zwar kompliziert gewesen die Empfangsdame davon zu überzeugen ihm seine Zimmernummer zu nennen. Doch nach einer längeren Diskussion hatte sie ihm die Nummer doch genannt. Für einen Moment versuchte er dann noch sein heftig schlagendes Herz unter Kontrolle zu bekommen, aber es gelang ihm nicht völlig. Leicht klopfte er schließlich gegen das helle Holz der Türe.

„Herein!“

Kurz zögerte Mario denn auch durch die geschlossene Türe hörte er wie angeschlagen Björn klang.

„… Er könnte jetzt jemanden gebrauchen der ihn ein bisschen aufmuntert…“

Als ihm dieser Satz von Roar wieder in die Gedanken kam wusste Mario auch was er zu tun hatte. Langsam öffnete er die Türe und betrat das Zimmer. Doch es erschreckte ihn was er sah. Björn lag auf dem großen Hotelbett, um seinen  Knöchel ein dickes Kühlpad, genauso wie an der linken Hand und zudem hatte er auch noch einen blutigen Kratzer unter dem Kinn.

„Mario!“, lächelte Björn jedoch nur als er ihn sah.

Und er musste auch wirklich zugeben, dass sich seine Laune jetzt wirklich besserte. Umständlich versuchte er sich vom Bett aufzurichten. Doch Mario drückte ihn nur vorsichtig wieder in die Kissen zurück.

„Bleib liegen!“

„Hey! Ich bin nicht schwer verletzt! Da hab ich schon schlimmeres erlebt!“, grinste er.

„Du hast mir aber trotzdem einen Schrecken eingejagt!“, gestand Mario.

„Tut mir Leid! Aber wer hat dir eigentlich von meinem Sturz erzählt?“, fragte Björn daraufhin.

„Roar! Ich war an der Schanze, weil ich wusste, dass eure Mannschaft Training hat. Und da ich… Da ich dich…“, nervös leckte sich Mario über die Lippen, dann räusperte er sich. „Auf jeden Fall hab ich dort die Bekanntschaft eures wirklich freundlichen Co – Trainers gemacht und danach kurz mit Roar gesprochen. Er hat mir dann gesagt, dass du gestürzt bist.“

„Kommt vor.“, murmelte Björn.

„Was hast du jetzt eigentlich?“, fragte Mario aus wirklicher Besorgnis heraus.

„Ich hab mir den Knöchel geprellt und das Handgelenk verstaucht, der Kratzer stammt vom Verschluss des Helms. Aber setz dich doch!“

Daraufhin wurde Mario rot setzte sich jedoch auf einen der rot bezogenen Sessel.

„Springst du dann morgen überhaupt mit?“

Auf diese Frage hin zuckte Björn nur mit den Schultern.

„Wird sich wohl erst morgen entscheiden. Je nachdem wie ich mich fühle werd ich einen Probesprung machen und dann sehen.“, für einen kurzen Moment schwieg er. „Und wie geht’s dir? Bereit für ein weiteres Springen?“

„Ich bin nervös!“, murmelte Mario.

„Warum?“

„Erwartungshaltung der anderen?“

„Wenn jemand etwas wegen deinem Vater sagt hätte ich die passende Antwort.“, grinste Björn.

„Und was?“, fragte Mario perplex nach.

„Ich bin Mario Innauer und nicht Anton Innauer!“, lachte er.

„Arsch!“, grummelte Mario und warf das Kissen auf dem Sessel nach Björn.

Dieser fing es jedoch mit einer eleganten Handbewegung auf legte es neben sich.

„Na na! Nicht so gewalttätig! Schließlich bin ich verletzt!“

„Vorhin hast du noch behauptet, dass es dir gut geht!“, lachte Mario daraufhin.

„Mein Zustand kann sich innerhalb von Minuten verschlechtern, wenn ich so gemeinen Übergriffen ausgesetzt bin.“

„Diva!“, erklärte Mario nur.

Als Antwort warf dieses Mal Björn ihm das Kissen an den Kopf.

„Und wer ist jetzt gewalttätig?“

„Tz!“

„Das es irgendjemanden gibt der dich als ‚Ice Man’ sieht kann ich nicht verstehen.“, murmelte Mario und schüttelte den Kopf.

„Warum?“, fragte Björn nach.

„Weil ich noch nie jemanden getroffen habe der so positiv emotional ist. Und der soviel lacht wie du.“

Deutlich rot im Gesicht starrte Björn auf die Bettdecke vor sich.

„Hast du schon gefrühstückt?“, fragte er dann um das Thema zu wechseln.

„Nein, bisher nicht. Wir waren direkt nach unserer Ankunft auf der Schanze und danach bin ich hier her gekommen.“

„Gut! Ich würde nämlich gerne etwas essen. Und da ich nicht richtig laufen kann könntest du so freundlich sein und mich unterstützen.“

„Du könntest auch einfach den Zimmerservice rufen. Dann müsstest du nicht einmal aufstehen.“, erwiderte Mario und grinste triumphierend.

„Also gute Ideen hast du ja!“, lächelte Björn. „Was willst du essen?“

Nachdem sie sich abgesprochen hatten was sie frühstücken wollten griff Björn nach dem Telefon, Mario beobachtete ihn dabei. Mit einem Lächeln sah er dann wie ihm mehrere seiner hellen blonden Strähnen immer wieder in die Augen fielen. Grün, leuchtend grün. Stellte er fest. Und zudem hatten diese Augen etwas Wunderschönes an sich, denn sie schienen von innen heraus zu leuchten…

1 Kommentar 29.11.08 18:18, kommentieren

Zum Fliegen braucht man Flügel!

Disclaimer:
Ich kenne keine der in der Geschichte vorkommenden Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens. Jegliche Handlungen entspringen meiner Fantasie und ich möchte niemandem damit zu nahe treten. Jeder gehört nur sich selbst. Ich verdiene mit dieser Geschichte kein Geld. Allerdings erhebe ich Anspruch auf die Urheberrechte der von mir geschaffenen Charaktere und Handlungsabläufe.

 

Grinsend saß Roar Ljokelsoy auf dem Bett in Björns Zimmer. Dabei beobachtete er seinen besten Freund der, nach Worten suchend, durch sein Zimmer lief. Mit einem leisen Seufzen lehnte er sich gegen das Kopfteil des Bettes.

 

„Und? Ich warte immer noch auf deine Erklärung.“, meinte er auffordernd.

 

Frustriert strich sich Björn daraufhin die Haare aus dem Gesicht. Dann setzte er sich neben Roar und lehnte seinen Kopf an dessen Schulter.

 

„Ich weiß nicht wie ich es dir erklären soll Roar. Irgendwie versteh ich es selbst nicht.“

 

„Und wenn du einfach einmal von vorne erzählst? Wäre vielleicht ein Anfang Kleiner.“

 

Genau wusste er in diesem Moment wie sehr Björn diesen Spitznamen hasste. Doch er hatte einfach den Eindruck, dass er die Situation ein wenig auflockern musste. Und dieser schenkte ihm auch wirklich ein leichtes Lächeln.

 

„Nach dem Springen heute Nachmittag bin ich ins Hotel zurück. Im Café hab ich dann Mario getroffen.“, unruhig suchte Björn in diesem Moment den Blickkontakt zu seinem besten Freund.

 

Dieser legte ihm einen Arm um die Schultern. Einfach um ihm zu zeigen, dass er da war.

 

„Und dann?“, lächelte Roar.

 

„Ich weiß nicht warum ich ihn überhaupt angesprochen hab. Aber irgendwie sah er so verloren aus. Eigentlich hab ich gedacht wir sprechen ein paar Sätze und das wars. Aber irgendwie war es anders.“, murmelte Björn.

 

Dann stand er wieder auf und trat an das Fenster. Lange sah er einfach hinaus bevor er weiter sprach.

 

„Ich hab mich getäuscht.“, erklärte er plötzlich. „Mario ist kein Kind. Er ist erwachsener wie mancher der älteren Springer die ich bisher getroffen habe. Ach Roar, ich versteh mich doch selbst nicht mehr. Sag mir was ich tun soll.“

Lächelnd trat Roar daraufhin neben ihn, fest sah er Björn in die Augen.

„Warum setzt du dich selbst so unter Druck? Ihr beiden habt doch jede Zeit der Welt. Lernt euch doch einfach kennen und seht wohin es führt.“

„Ich hab aber den Eindruck, dass ich vorher wissen muss wohin es führen soll.“

Leicht seufzte Roar in diesem Moment, dann lehnte er sich vorsichtig gegen das Glas des Fensters.

„Mir ist klar, dass es nichts bringt dir zu sagen, dass du dich einfach treiben lassen sollst. Denn das kannst du nicht, nicht nachdem was damals passiert ist. Aber manchmal muss man einfach ein wenig Kontrolle abgeben Björn.“

Angespannt legte er seinen Kopf in den Nacken und seufzte. Doch Roar legte ihm nur den Arm um die Schultern und zog ihn an sich.

„Ich hab Angst Roar!“, gab Björn schließlich zu.

„Das ist mir klar. Und ich hab auch Angst, um dich. Aber niemand wird dich je wieder so verletzten wie Maksim damals, das verspreche ich dir. Und vielleicht hast du in Mario auch einfach ‚nur’ einen guten Freund gefunden und ein ‚mehr’ zwischen euch spielt nie eine Rolle.“

„Danke Roar!“, flüsterte Björn und lehnte sich gegen ihn.

„Warte einfach ab was die Zukunft bringt.“, lächelte dieser und schloss seine Arme fest um seinen besten Freund.

In diesem Moment schwor er sich auch, dass er Mario genau im Auge behalten würde. Denn nach allem was Björn mit seinem Ex – Freund hatte durchmachen müssen würde er nicht zulassen, dass es jemanden gab der ihn nochmals so verletzte. Denn es hatte lange gedauert bis das Lachen auf Björns Züge wiedergekehrt war. Und dieses zu verlieren würde er nicht nochmals riskieren…

Mit einem leisen Seufzen legte Mario seine Stirn gegen das kühle Glas der Fensterscheibe vor sich. Er konnte sich einfach nicht erklären was passiert war. Es hatte sich so gut angefühlt Björns Arme um sich zu spüren. Und wie er zugeben musste freute er sich wirklich darauf ihn in Bischofshofen wieder zu sehen…

Als es kurz darauf an der Türe klopfte zuckte er kurz zusammen bevor er sicht straffte und dann öffnete.

„Thomas!“, meinte er überrascht als er sah wer da vor der Türe stand.

„Ja, genau so heiße ich!“, grinste dieser nur.

„Morgenstern, was willst du?“, fragte Mario schließlich gut gelaunt.

„Weltcuppunkte haben eine komische Wirkung auf dich.“, murmelte Thomas und schüttelte den Kopf. „Aber ich wollte dich eigentlich nur fragen ob du mitkommst ins Restaurant? Ich will etwas essen. Und die anderen wollen sich lieber etwas ausruhen und später essen.“

„Ich war schon essen.“, erwiderte Mario und spürte dabei wie er rot wurde.

„Schade!“, murmelte Thomas. „Du könntest aber auch gerne mitkommen ohne etwas zu essen.“

„Gut, ich komm mit.“

„Klasse!“

Kopfschüttelnd nahm Mario schließlich den Schlüssel zu seinem Zimmer. Wenig später folgte er Thomas in das Hotelrestaurant. Als sie sich schließlich an einen der ruhigeren Tische gesetzt hatten winkte dieser direkt die Kellnerin heran, bei dieser bestellte er sich ein Wiener Schnitzel und lehnte sich dann zurück.

„Wie war eigentlich dein Interview?“, wollte er wissen und sah Mario an.

Doch dieser schüttelte nur den Kopf. „Ich mach diese ganze Pressesache einfach nicht gerne. Und ansonsten war es wie immer.“, erklärte er leise. „Na ja, fast.“, fügte er noch leise hinzu.

„Der Romoeren war auch dabei, nicht wahr?“

Deutlich spürte Mario in diesem Moment die Röte in sein Gesicht steigen.

„Ja, Björn war auch dabei.“, antwortete er.

„Wieso nennst du ihn beim Vornamen?“, fragte Thomas nur perplex zurück.

Abwesend spielte Mario mit der Serviette die vor ihm auf dem Tisch lag.

„Weil er es mir angeboten hat?“, flüsterte er dann.

Mit weit aufgerissenen Augen starrte Thomas ihn an.

„Er hat was?“

Da Mario wusste, dass Thomas nicht vorher aufhören würde zu fragen bis er die Wahrheit kannte erzählte er ihm einfach was sich in den letzten Stunden zugetragen hatte.

„Wow! Damit hätte ich jetzt nicht gerechnet.“, erklärte Thomas daraufhin.

„Ich auch nicht!“, lächelte Mario nur.

„Warum lässt du dir das Verhalten deines Vaters eigentlich immer noch bieten?“, fragte Thomas mit ernstem Unterton in der Stimme nach.

„Was soll ich denn machen Thomas?“, flüsterte Mario nur.

In seine Stimme war dabei der resignierte und abgekämpfte Ton zurückgekehrt.

„Ihm endlich sagen was du wirklich über das Springen und alles andere was er tut denkst.“

„Du weißt, dass das nicht geht.“

„Willst du zulassen, dass er weiterhin auf deinem Leben rumtrampelt? Sieh es dir doch an Mario! Jetzt ist es schon soweit, dass er versucht dir eine Freundschaft zu verbieten!“, brauste Thomas auf.

Daraufhin zuckte Mario kurz zusammen. Denn er wusste, dass Thomas Recht hatte mit dem was er sagte. Sein Vater kontrollierte sein Leben bis hin zu jeder Kleinigkeit, ein eigenes Leben hatte er so gut wie nicht mehr.

„Wie soll das denn noch weitergehen Mario?“, fragte er leise und lächelte ihn sanft an. „Ich weiß doch, dass du deine Zukunft nicht im Skispringen siehst.“

Völlig baff starrte Mario ihn einfach nur an.

„Woher weißt du das?“, fragte er dann leise nach.

„Ich hab es gesehen!“, erwiderte Thomas. „Wir waren damals in Bergen um zu trainieren. Dort haben wir doch auch diese Gruppe Meeresbiologen kennen gelernt. Erinnerst du dich?“

„Ja!“, Mario nickte, denn ihm war klar geworden was Thomas sagen wollte.

„Weißt du bei mir ist es einfach so, dass ich vom Herzen her an diesem Sport hänge. Ich will im Skispringen großes erreichen und dem Sport auch nach meiner Karriere verbunden bleiben. Aber bei dir ist es mir damals wirklich aufgefallen, dass das nicht der Weg ist den du für dich siehst. Es war wirklich schön zu sehen wie du aufgeblüht bist als wir uns damals mit dieser Forschergruppe unterhalten haben. Und ich muss auch zugeben, dass ich wirklich sprachlos war als ich festgestellt habe wie viel du über dieses ganze Thema weißt!“

Schüchtern lächelte Mario ihn nur an. Denn es war die Wahrheit was Thomas sagte. Selbst wenn es für jemanden wie ihn, der in den Bergen aufgewachsen war, seltsam klang, aber er hatte den Traum Biologe zu werden. Am liebsten noch Meeresbiologe. Doch genauso wusste er, dass sein Vater diesem Wunsch nie zustimmen würde. Für diesen war seit langem klar, dass sein Sohn ebenfalls Skispringer werden sollte, genauso wie er es gewesen war.

„Er würde es nicht verstehen.“, antwortete er nur und wusste, dass Thomas auch so verstand.

„Es ist dein Leben Mario, nicht das deines Vaters. Und es bringt doch nichts, wenn du dich unglücklich machst nur um deinem Vater zu gefallen.“

„Ich weiß es doch Thomas.“

Unbewusst ballten sich dabei seine Hände zu Fäusten zusammen. Das Gespräch mit Thomas brachte Empfindungen auf die er seit langem in sich versteckt gehalten hatte. Ein Gedanke brannte sich dabei einfach tief in seinen Geist. Er war es so satt sich von seinem Vater sein Leben diktieren zu lassen! Das Gespräch mit Björn, genauso wie das mit Thomas hatte diesen Wunsch nur noch verstärkt…

„Sehr ihr euch in Bischofshofen eigentlich wieder?“, wollte Thomas plötzlich wissen und lächelte ihn versonnen an.

„Ja!“, glücklich lächelnd nickte Mario.

„Also, wenn er dich dazu bringt so zu lächeln, dann bin ich dafür, dass ihr euch so blad wie möglich wieder seht.“

In diesem Moment lachte Mario nur. Doch er musste zugeben, dass er auch darauf hoffte Björn so bald wie möglich wieder zu sehen…

29.11.08 18:16, kommentieren

Zum Fliegen braucht man Flügel!

Disclaimer:
Ich kenne keine der in der Geschichte vorkommenden Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens. Jegliche Handlungen entspringen meiner Fantasie und ich möchte niemandem damit zu nahe treten. Jeder gehört nur sich selbst. Ich verdiene mit dieser Geschichte kein Geld. Allerdings erhebe ich Anspruch auf die Urheberrechte der von mir geschaffenen Charaktere und Handlungsabläufe.

 

Lachend und äußerst gut gelaunt saß Mario Innauer im Restaurant des Mannschaftshotels ‚Bergmanns Hof’. Es war ihm immer noch unbegreiflich was in den letzten Stunden passiert war und wem er gerade gegenüber saß. Amüsiert beobachtete er nun Björn der mit hochgezogenen Augenbrauen die Karte durchging.

„Blamiere ich mich sehr, wenn ich zugebe, dass ich bei den meisten Sachen auf der Karte keine Ahnung habe was es ist?“, wollte Björn wissen und sah von der Karte auf.

Doch Mario lächelte nur und schüttelte dann den Kopf.

„Nein, überhaupt nicht. Es ging mir auch nicht anders als ich zum ersten Mal in Norwegen war.“

„Norwegen ist viel einfacher!“, lächelte Björn.

„Ist wohl alles eine Frage der Sichtweise.“, erwiderte Mario. „Im Übrigen würde ich dir die Tirtln empfehlen!“

„Was?“, fragend sah Björn ihn daraufhin an. „Eine Übersetzung wäre nett!“

„Hmm!“, für einen kurzen Moment schwieg Mario. Scheinbar dachte er darüber nach wie er den Begriff am besten erklären konnte. „Also eine Übersetzung in dem Sinn gibt es nicht. Tirtln sind einfach kleine Krapfen die mit Spinat und Topfen gefüllt werden. Teilweiße kann es auch Sauerkraut oder Kartoffeln sein. Zum Abschluss werden sie dann in heißem Fett gebacken.“

„Klingt nicht schlecht!“

„Ist eben eine Tiroler Spezialität die sonst nicht sehr weit verbreitet ist. Ansonsten wären vielleicht Schluzer eher etwas für dich.“

„Mario!“, grinste Björn daraufhin nur.

„Ist ja gut, ich erklär ja schon!“, erwiderte dieser und schüttelte grinsend den Kopf. „Schluzer ist die Kurzform für Schlutzkrapfen. Sie ähneln den Kärntner Nudeln und sind einfach kleine Teigtaschen. Laut dem original Rezept werden sie mit Spinat und Topfen gefüllt. Inzwischen gibt es jedoch sehr viele abgeänderte Formen. Beispielsweiße werden sie auch mit Käse oder Fleisch gefüllt.“

„Geht doch!“, lachte Björn.

Kurz darauf hatten sie die Kellnerin an ihren Tisch gerufen und ihre Bestellung aufgegeben. Wie er zugeben musste hatte er jedoch nur die Hälfte von dem verstanden was Mario der Frau gesagt hatte. Noch weniger hatte er mitbekommen was er sich selbst bestellt hatte. Vielleicht war dafür sein Deutsch auch einfach nicht gut genug.

„Mario?“

„Was ist?“, fragte er zurück.

„Verrätst du mir eigentlich was ein ‚Hendl’ ist?“

Auf diese Frage hin schenkte Mario ihm nur ein warmes Lächeln.

„Kylling!“, antwortete er dann.

„Du… Du sprichst Norwegisch?“, fragte Björn überrascht.

„Ein wenig, eben soviel das ich nicht verhungern müsste und mich ein bisschen verständigen kann, wenn ich in Norwegen unterwegs bin.“

„Ich stelle fest, dass in dir viele Geheimnisse stecken.“

„Kann schon sein!“, murmelte Mario und nippte an seinem Wasser.

Bevor Björn jedoch antworten konnte brachte die Kellnerin ihr Essen. Misstrauisch beäugte er die kleinen Teigtaschen auf seinem Teller.

„Das kann man essen Björn.“, kicherte Mario.

„Bist du dir da sicher?“, fragte er nach und stach die Zinken seiner Gabel in eine der Teigtaschen.

„Ja! Und zwar so!“, erwiderte Mario nur.

Kurz darauf hatte er eine der Teigtaschen von Björns Teller genommen und genießerisch gegessen. Fasziniert beobachtete Björn das weiche Lächeln auf Marios Lippen das dabei entstand.

„Hey!“, meinte dieser dann gespielt entrüstet.

Grinsend nahm er daraufhin seine Gabel und stibitzte eine der Nockerln von Marios Teller.

„Ausgleichende Gerechtigkeit!“, erklärte er und lachte.

Das die anderen Hotelgäste sie währenddessen beobachteten und den sich teilweiße über ihr Verhalten aufregten störte sie dabei beide nicht. Mario genoss einfach das Gefühl wieder frei Lachen zu können und Björn gewöhnte sich, auf eine positive Weiße, immer mehr an die Anwesenheit des jungen Mannes. Und er musste sich dabei auch eingestehen, dass er doch nicht das Kind war für das er Mario gehalten hatte.

„Wo seid ihr eigentlich untergebracht in Bischofshofen?“, wollte er dann von ihm wissen.

In diesem Moment ertappte sich Björn bei dem Wunsch, dass die österreichische Mannschaft wieder im selben Hotel wie die norwegische untergebracht sein würde. Diese Tatsache sorgte dann auch dafür, dass er rot wurde.

„Soweit ich bisher weiß haben wir unsere Zimmer im ‚Senner Wirt’. Warum?“

Innerlich seufzte Björn auf, denn das Hotel ‚Senner Wirt’ war nicht das selbe wie seines.

„Nur so. Die norwegische Mannschaft hat ihre Räumlichkeiten dieses Mal im ‚Bischofshofen’.“, erklärte er.

Als Mario daraufhin zu lachen begann sah Björn ihn nur überrascht an.

„Was ist?“

„Du weißt schon, dass die beiden Hotels nur ein paar Straßen auseinander liegen?“, fragte er leise.

Björn antwortete daraufhin nicht sondern schluckte nur. Seit wann war es für andere so leicht ihn zu durchschauen? Eigentlich war er doch Skandinavier und hatte deshalb auch den Ruf als ‚Ice Man’ wie jeder aus diesen Ländern. Bisher hatte er es auch wirklich geschafft diese Annahme zu bestätigen. Doch er begriff einfach nicht was Mario mit ihm machte. Denn in seiner Gegenwart schien er diese kühle Fassade nicht zu brauchen und konnte so sein wie er wirklich war. Währenddessen war Mario der nachdenkliche Ausdruck auf Björns Zügen aufgefallen. Ob er zu weit gegangen war? Sollte er ihn darauf ansprechen oder doch lieber schweigen? Aber gleichzeitig wollte er das nicht zerstören was sich zwischen ihnen beiden zu entwickeln schien. Dabei hallte auch immer wieder dieser eine Satz in seinem Kopf den sein Vater bei einem Streit einmal zu ihm gesagt hatte.

„Du bist ein Nichtsnutz und zerstörst die Dinge ohne darüber nachzudenken!“

Vielleicht war es ja wirklich die Wahrheit was er gesagt hatte?

„Es tut mir Leid Björn!“, murmelte er und wollte aufspringen.

Doch Björn reagierte schneller und hielt ihn am Handgelenk fest. Fragend sah er ihn für ein paar Sekunden an.

„Was tut dir Leid?“, wollte er verwirrt wissen.

„Ich bin zu weit gegangen…“

„Das bist du nicht Mario! Ganz sicher nicht!“, erklärte er sanft.

„Aber du hast so nachdenklich gewirkt und ich hab einfach gedacht, dass ich zu weit gegangen bin, mal wieder nicht nachgedacht hab was ich sage.“

„Das war doch nicht wegen dir.“, meinte Björn und lockerte den Griff um Marios Handgelenk ein wenig.

Verwirrt sah Mario ihn für ein paar Sekunden an.

„Ich bin es nicht gewohnt, dass jemand meine Gedanken so schnell durchschaut. Weißt du egal welchen Skandinavier du nimmst, wir alle haben den Ruf als ‚Ice Man’. Immer völlig abgeklärt der Presse und allen anderen gegenüber, keine nach außen sichtbaren Gefühle. Die meisten Leute die mich kennen halten mich für zu kompliziert und wissen nicht wie sie mit mir umgehen sollen. Aber du hast direkt verstanden was ich gemeint hab mit der Frage nach eurem Hotel. Das hat mich einfach verblüfft.“, erklärte Björn leise.

Als Mario daraufhin den Mund öffnete um etwas zu sagen schüttelte er nur lächelnd den Kopf.

„Untersteh dich, dich jetzt wieder zu entschuldigen!“

Genau erkannte er dabei wie Mario langsam rot wurde.

„Wann fahrt ihr eigentlich nach Bischofshofen?“, fragte er dann um das Thema zu wechseln.

Für einen kurzen Moment schüttelte Mario den Kopf um seine Gedanken zu klären und räusperte sich schließlich.

„Morgen früh um acht Uhr. Mein Vater geht von ungefähr zwei Stunden Fahrtzeit aus. Und da er noch ein paar Trainingssprünge machen will…“, ohne seinen Satz zu vervollständigen lies er seine Antwort ausklingen.

„Dann sehen wir uns in Bischofshofen wieder?“, fragte Björn hoffnungsvoll.

Dieses Mal wurde er deutlich rot. Wobei ihm sein Verhalten einfach nicht mehr klar war. Er verhielt sich wie ein Teenager! Dabei war Mario neun Jahre jünger als er selbst! Doch trotz allem hatte er einfach den starken Wunsch diesen jungen Mann wieder zu sehen und ihn noch besser kennen zu lernen.

„Gerne!“, lächelte Mario.

Wenig später hatten sie das Essen dann beendet und das Restaurant verlassen. Schließlich standen sie sich an der Treppe gegenüber.

„Ich freu mich darauf dich bald wieder zu sehen!“, erklärte Mario.

Für ein paar Sekunden genoss Björn daraufhin den Blick in dessen braune Augen. Denn diese hatten in den letzten Stunden ein leichtes Leuchten entwickelt, dass ihn selbst fast schon anzog. Zudem war er sich auch absolut sicher, dass Mario eine weitaus strahlendere Seele besaß als das was davon zurzeit sichtbar war. Und er wollte nichts mehr als dieses Leuchten sichtbar zu machen.

„Ich mich auch!“, erwiderte er ehrlich.

Wer von den beiden schließlich seine Scheu zuerst überwand, den letzten Schritt tat und den anderen in seine Arme zog konnte keiner von beiden sagen. Doch sie standen sicher für mehrere Minuten einfach zusammen und hielten sich, wie die Zeit dabei verstrich bemerkten sie gar nicht. Erst als sich hinter ihnen jemand räusperte fuhren sie auseinander. Fast schon panisch drehten sie sich zu dem anderen um. Doch direkt darauf erschien ein leichtes Lächeln auf Björns Lippen.

„Musst du uns so erschrecken Roar?“, wollte er grinsend wissen.

„Ja!“, erwiderte dieser entschieden und lachte.

Mario stand in diesem Moment nur neben den beiden und trat nervös von einem Fuß auf den anderen. Scheinbar schien Roar das jedoch aufgefallen zu sein. Mit einem freundlichen Lächeln trat er schließlich auf ihn zu.

„Wenn Björn schon seine Manieren vergisst muss ich es ja nicht auch tun. Roar Ljokelsoy! Freut mich!“, meinte er und reichte Mario die Hand.

Dieser nahm sie und schüttelte sie leicht. „Mario Innauer! Freut mich auch!“

Für die gesamte Zeit bemerkte er jedoch den verunsicherten Blick von Roar. Er schien wohl nicht zu wissen was sich gerade abspielte. Doch Björn schien das ebenfalls bemerkt zu haben.

„Wir sehen uns dann in Bischofshofen.“, lächelte er Mario zu.

„Ja!“, erwiderte dieser.

Kurz darauf war er zu seinem Zimmer gegangen. Mit einem letzten freundlichen Blick, der vor allem Björn galt, betrat er den Raum und schloss die Türe hinter sich. Direkt als er außer Sichtweite war drehte sich Roar zu Björn.

„Björn? Was war das?“, wollte er wissen.

„Komm mit in mein Zimmer, ich erklär dir alles.“, meinte er leise.

Kopfschüttelnd folgte Roar Björn in diesem Moment zu dessen Zimmer. Denn auf diese Erklärung war er wirklich gespannt…

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