Zum Fliegen braucht man Flügel!

Disclaimer:
Ich kenne keine der in der Geschichte vorkommenden Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens. Jegliche Handlungen entspringen meiner Fantasie und ich möchte niemandem damit zu nahe treten. Jeder gehört nur sich selbst. Ich verdiene mit dieser Geschichte kein Geld. Allerdings erhebe ich Anspruch auf die Urheberrechte der von mir geschaffenen Charaktere und Handlungsabläufe.

 

Misstrauisch beobachtete Anton Innauer seinen Sohn. Dieser stapfte mit niemand anderem als Björn Einar Romoeren durch den Schnee vor ihrem Hotel! Und schien sich dabei auch noch wirklich gut zu unterhalten. Er war wirklich fassungslos gewesen als er die beiden gesehen hatte. Reichte es nicht schon aus, dass Mario kaum etwas von seinem Skisprungtalent geerbt zu haben schien? Musste er sich nun auch noch mit gegnerischen Springern abgeben? Entschieden schüttelte er dann den Kopf und ging auf die beiden zu…

„… Das Schlimmste war ja wirklich, dass das so eine kleine Kinderschanze war. Kennst du sicher auch, einfach mit ein paar Zentimetern Höhe um den Kindern das Sprunggefühl beizubringen. Und ich wollte dann eben direkt zeigen wie der Sprung funktionieren sollte, hab dann aber nicht richtig aufgepasst und mich ziemlich heftig in den Schnee gelegt.“, meinte Björn und sah Mario an.

Dieser lachte auf seine Erzählung hin nur. Und er musste wirklich zugeben, dass es ihm gefiel Mario lachen zu hören.

„Hatte vielleicht auch Vorbildfunktion.“, grinste dieser dann.

„Wahrscheinlich! Seht her so wird es nicht gemacht.“

Lächelnd nickte Mario daraufhin. Doch plötzlich erstarb dieses Lächeln und er schien fast schon ängstlich zu werden.

„Mario?“, fragte Björn leise.

Doch dann folgte er seinem Blick. Und er wusste auch direkt wer da auf sie zukam.

„Papa!“, murmelte Mario leise.

Wenig später stand Anton Innauer auch vor den beiden und musterte sie. Schließlich packte er, ohne ein Wort zu sprechen, seinen Sohn fest am Arm und wollte ihn mit sich ziehen. Aber Björn handelte in diesem Moment einfach instinktiv und schlug die Hand weg. Wütend funkelte Anton ihn an.

„Was erlauben sie sich?“, fragte er aufgebracht.

„Ich erlaube mir gar nichts.“, erwiderte Björn gelassen. „Aber ich denke nicht, dass sie so brutal gegen ihren Sohn vorgehen sollten.“

Seine Augen hatten während er sprach nie die von Anton verlassen. Doch jetzt glitt sein Blick auf Mario. Dieser stand neben ihnen und rieb sich die schmerzende Stelle an seinem Unterarm. Dabei starrte er die gesamte Zeit über auf den Boden. Gerade als Anton nun etwas antworten wollte legte Mario Björn die Hand auf den Unterarm. Überrascht suchte er wieder den Blickkontakt zu ihm.

„Lass es gut sein Björn. Es ist in Ordnung!“

„Aber…“

Mario schüttelte dann einfach den Kopf.

„Ihr duzt euch?“, keuchte Anton Innauer in diesem Moment fassungslos.

„Ja!“, knurrte Björn daraufhin nur. „Was dagegen?“

Doch Mario unterbrach die Situation wieder. Denn er nahm seinen Vater am Arm und zog ihn mit sich in die Richtung des Hotels davon. Kurz drehte er sich noch mal zu Björn um.

„Wir sehen uns beim Interview!“, lächelte er bevor er wieder in das Hotel ging.

Überfordert stand Björn einfach vor dem Hotel. Was war das denn gewesen? Ob Anton Innauer wirklich so cholerisch war wie er gerade gewirkt hatte? Mit einem Kopfschütteln versuchte er dann seine Gedanken abzuschütteln. Dann straffte er sich wieder und ging in das Hotel. Schließlich musste er trotz allem noch ein Interview geben. Auch, wenn er noch nicht genau wusste wie er sich soweit konzentrieren sollte, dass er da nichts Falsches sagte…

Währenddessen hatte Mario es geschafft seinen Vater bis in sein Hotelzimmer zu bringen. Ängstlich stand er ihm nun gegenüber, denn er wusste, dass es jetzt wieder Streit geben würde. Denn sein Vater hatte sich nur zurück gehalten, weil sie in der Öffentlichkeit gewesen waren. Doch nun hatte er keinen Grund mehr seinen Zorn zu verstecken.

„Was hast du dir dabei gedacht?“, fragte Anton auch direkt nach.

„Ich habe mich nur mit einem anderen Skispringer unterhalten!“, antwortete Mario leise.

„Du weißt, dass ich nicht will, dass du mit gegnerischen Springern sprichst!“

„Thomas, Andy, Swider und Gregor sind auch gegnerische Springer!“, wand Mario ein.

Auf diese Antwort hin funkelte Anton Innauer seinen Sohn wütend an.

„Hiermit untersage ich dir dich mit diesem Kerl weiterhin abzugeben!“, rief er dann.

„Dass kannst du mir nicht verbieten!“, keuchte Mario entsetzt.

„Und ob ich das kann!“, antwortete Anton scharf. „Im Übrigen wird es jetzt Zeit für das Interview, wir reden nachher weiter.“

Enttäuscht seufzte Mario nur. Dann nahm er seinen Zimmerschlüssel und ging in die Lobby. Wenigstens ein paar Sekunden würde er dort noch für sich haben. Er hoffte nur, dass Björn ihn nicht auf all das ansprach.

„Da bist du ja wieder.“, hörte er plötzlich eine warme Stimme hinter sich.

„Hallo Björn.“, lächelte er nur.

„Ich wollte dir keine Probleme machen.“, meinte dieser dann leise.

„Das weiß ich.“

Gemeinsam gingen sie dann in den Bereich der Lobby der für die Interviews mit den verschiedenen Springern freigehalten wurde. Mario seufzte leise als er sich dort auf einen der Sessel setzte. Er gab einfach nicht gerne Interviews, aber heute belasteten ihn auch die Vorkommnisse der letzten Stunden.

„Wir schaffen das schon.“, lächelte Björn plötzlich.

Doch er konnte dieses Lächeln nicht erwidern, deshalb nickte er nur.

„Verhält sich dein Vater eigentlich öfter so?“

Mario wurde in diesem Moment blass. So sehr hatte er darauf gehofft, dass Björn dieses Thema nicht ansprechen würde. Aber jetzt wusste er, dass es Illusion war sich einzubilden, dass er nicht nachfragen würde.

„Manchmal, wenn wir uns streiten. Das kommt aber nur sehr selten vor.“

Wie Björn dabei auffiel gelang es Mario bei seiner Antwort einfach nicht ihm in die Augen zu sehen. Wobei ihm eigentlich auch so klar gewesen war, dass er ihn belogen hatte. Das was er vorhin miterlebt hatte war sicher nicht nur einmalig. Doch nachfragen konnte er nicht mehr, denn der Reporter kam auf sie zu.

„Herr Romoeren! Herr Innauer!“, lächelte er und setzte sich ihnen gegenüber. „Ich bin Sam Dellbrock vom ‚Österreichischen Tagblatt’. Es freut mich, dass sie sich bereit erklärt haben mir ein Interview zu geben.“

„Gerne doch.“, lächelte Björn.

Mario nickte nur kurz.

„Also Herr Innauer, erstmal herzlichen Glückwunsch zu ihrer phänomenalen Leistung heute.“

„Danke!“, erwiderte er leise.

„Und wie war es so gegen Herrn Romoeren zu springen?“

„Natürlich war ich aufgeregt als ich gehört habe, dass ich gegen ihn springen muss. Schließlich ist er ein Springer der Weltspitze. Aber als ich dann auf der Schanze stand war es wie bei jedem Sprung auch.“

Doch direkt die nächste Frage lies Björn zusammen zucken. Und er sah auch wie sich Marios Finger um die Lehnen des Sessels krallte.

„Als er in ihrem Alter war hat ihr Vater die Dreiländertournee gewonnen. Da ist es natürlich die Frage welche Ziele sie als nächstes haben?“

„Ich bin Mario Innauer! Nicht Anton Innauer!“, knurrte er jedoch nur.

Kurz darauf war er aufgesprungen und davon gegangen.

„Entschuldigen sie mich kurz!“, meinte Björn zu dem überraschten Reporter und rannte Mario hinterher.

Am Fuß der Treppe die in die oberen Stockwerke führte hatte er ihn schließlich eingeholt.

„Mario warte!“

„Worauf denn noch?“, murmelte er und lies sich auf eine der Treppenstufen sinken.

Björn setzte sich einfach neben ihn.

„Der Reporter hat das sicher nicht so gemeint.“

„Aber das ist genau das was ich dir vorhin versucht hab zu erklären Björn. Niemand sieht mich! Niemand sieht Mario Innauer! Alle sehen sie immer nur den Sohn des Skisprunggenies Anton Innauer.“, flüsterte er und wirkte dabei seltsam erschöpft.

„Lass uns das Interview machen Mario. Und danach gehen wir etwas essen. Ich hab nämlich wirklich Hunger.“, lächelte Björn. „Zudem würde ich auch gerne mehr über Mario Innauer erfahren.“

Als Mario ihn in diesem Moment ansah lag ein leichtes Strahlen in seinem Blick, dass Björn bisher nie bei ihm gesehen hatte. Langsam nickte er dann und lies sich von Björn aufhelfen. Gemeinsam gingen sie wieder zu dem Reporter zurück. Dieser saß immer noch auf dem Sessel und starrte auf seine Notizen. Scheinbar war ihm nicht klar was gerade passiert war. Verwirrt beobachtete er dann Mario und Björn die sich ihm wieder gegenüber setzten. Björn erklärte ihm, dass er das Interview nun fortsetzen könnte. Ohne auf den ‚Zwischenfall’ nochmals einzugehen führte Sam Dellbrock schließlich das Interview weiter. Dabei vermied er es jedoch peinlichst auf Anton Innauer zu sprechen zu kommen.

„Und welche Erwartungen haben sie noch für Bischofshofen und an den Rest der Saison Herr Romoeren?“

„Eigentlich gar keine.“, grinste Björn. „Ich will gute Sprünge zeigen und unter Beweis stellen, dass ich zu Recht zu den Top Ten – Springern gehöre.“

„Und sie Herr Innauer?“

„Also für mich gilt eigentlich dasselbe. Mein Ziel ist es gute Sprünge zu präsentieren und meine Fähigkeiten weiter zu verbessern.“

„Welche Wünsche haben sie für die WM in Sapporo?“, fragte der Reporter schließlich.

„Wünsche hätte ich im Bezug auf die WM viele.“, meinte Björn nur. „Aber was davon zu realisieren ist werden wir sehen.“

Fragend sah Sam Dellbrock dann auf Mario, dieser spielte an den Ärmeln seines Pullovers herum.

„Ich habe für die WM bisher noch keine wirklichen Wünsche. Denn bisher ist noch nicht einmal sicher, dass ich in das Team für Sapporo berufen werde.“

„Trauen sie es sich zu bei der WM zu springen?“

„Keine Ahnung!“, erwiderte Mario ehrlich und zuckte mit den Schultern. „Es gibt gerade im österreichischen Team viele sehr gute Springer. Und da gibt es sicher auch stärkere als mich.“

Irgendwie fand Björn es schade, dass Mario so sehr an sich zweifelte.

„Dann bedanke ich mich für ihre Zeit und wünsche ihnen beiden noch viel Glück für den Rest der Saison und die WM.“

Mit diesen Worten hatte Sam Dellbrock das Interview beendet, seine Sachen gepackt und war gegangen. Somit saßen Mario und Björn alleine zusammen.

„Ich wollte mich noch bei dir entschuldigen Björn.“, murmelte Mario dann.

„Warum denn?“, fragte dieser überrascht nach.

„Ich hab mich wie ein Kind verhalten. Dabei bin ich fast volljährig und müsste doch damit umgehen können, wenn mir etwas nicht gefällt. Und nicht einfach davon rennen.“

„Es ist in Ordnung Mario.“, antwortete Björn nur. „Weißt du ich konnte es mir wirklich nicht vorstellen wie es sein muss immer auf jemand anderen reduziert zu werden. Aber als der Reporter direkt in einer der ersten Fragen den Vergleich zu deinem Vater gebracht hat konnte ich es wirklich nachvollziehen. Und das dir das irgendwann zuviel wird ist klar.“

Dankbar lächelte Mario nur.

„Und jetzt werden wir etwas essen.“, meinte Björn nur.

Kurz darauf waren sie dann aufgestanden und in die Richtung des Hotelrestaurants gegangen…

1 Kommentar 11.11.08 16:47, kommentieren

Zum Fliegen braucht man Flügel!

Disclaimer:
Ich kenne keine der in der Geschichte vorkommenden Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens. Jegliche Handlungen entspringen meiner Fantasie und ich möchte niemandem damit zu nahe treten. Jeder gehört nur sich selbst. Ich verdiene mit dieser Geschichte kein Geld. Allerdings erhebe ich Anspruch auf die Urheberrechte der von mir geschaffenen Charaktere und Handlungsabläufe.

Nach dem Springen der Vierschanzentournee in  Innsbruck (4.1.2007):

Frustriert und unendlich enttäuscht warf Björn seine Ski in eine Ecke der Mannschaftshütte. Wenig später folgten sein Helm und die Brille. Er selbst setzte sich dann einfach auf einen der Stühle und starrte auf den staubigen Boden. Ein Kind! Ein Kind hatte ihn, den Weltrekordhalter im Skifliegen, aus dem Wettbewerb geworfen! Dieser kleine Junge, nicht einmal 17 Jahre war er alt.

„Na du Bruchpilot!“, grinsend betrat Roar die Hütte.

„Was willst du?“, knurrte Björn nur und sah ihn wütend an.

„Mal nachsehen was du tust! Schließlich wollen wir alle nicht, dass du Dummheiten machst!“

„Welche Dummheiten?“

Doch Roar zuckte nur mit den Schultern und zog sich einen weiteren Stuhl heran auf den er sich setzte.

„Ich war heute auch nicht besser!“, erklärte Roar und grinste schief.

„Aber du hast dich nicht von einem Kind aus dem Wettbewerb werfen lassen!“, brauste Björn auf. Mit einer wütenden Handbewegung zog er sich dann das Haargummi aus den Haaren.

„Der Innauer ist kein Kind Björn. Gut er mag noch sehr jung sein, aber er weiß was er tut, wenn er auf der Schanze steht.“

In diesem Moment funkelte Björn ihn nur wütend an. „Auf welcher Seite stehst du eigentlich? Du bist genauso Norweger wie ich! Da solltest du doch zu mir halten!“

„Übertreib nicht Björn!“, antwortete Roar nur, stand auf und verließ die Hütte.

Wenig später kam jedoch auch noch Mika herein.

„Bei dir ist ja heute alles schief gelaufen, oder?“, meinte er nur und setzte sich zu ihm.

Doch Björn knurrte nur.

„Ich hab im Übrigen keine guten Nachrichten für dich.“

„Warum?“

„Weil der Verband einen Interviewtermin angesetzt hat.“

„Ja und?“, wollte Björn nur genervt wissen.

„Mario Innauer wird ebenfalls dabei sein.“

„Was?“, rief er aufgebracht. „Nicht mit mir!“

„Der Verband besteht darauf Björn.“, versuchte Mika ihn zu beruhigen.

„Ich fass es nicht.“, murmelte er.

Wenig später hatte er seine Sachen gepackt und die Hütte verlassen.

„Um 19.00Uhr im Mannschaftshotel!“, rief Mika ihm noch hinterher.

Daraufhin nickte Björn grimmig und ging davon. Bei den Betreuern holte er sich dann seine Jacke und seine Schuhe. Schon kurz darauf hatte er dem überraschten Mann dort seine Skistiefel hingestellt und sich auf den Weg zurück ins Hotel gemacht. Ungefähr zwanzig Minuten später stand er dann durchgefroren vor dem Hotel ‚Bergmanns Hof’. Aber der Fußweg hatte seine Gedanken geklärt und er fühlte sich wieder frischer. Um sich ein wenig aufzuwärmen beschloss er zuerst in das hoteleigene Café zu gehen und dort einen Tee zu trinken. Doch bereits an der gläsernen Eingangstüre zuckte er erschreckt zurück. Mario Innauer saß an einem der Fenstertische, rührte in einer Tasse heißer Schokolade und starrte mit traurigem Blick aus dem Fenster auf den Schnee. Überrascht sah Björn auf den jungen Mann. Er konnte sich nicht erklären warum Mario schlechte Laune haben sollte, schließlich hatte er doch wirklich gute Resultate erzielt. Aus einem spontanen Gedanken heraus ging er dann auf den Tisch zu. Bei einer vorbeikommenden Kellnerin bestellte er sich einen Tee. Schließlich trat er zu Mario an den Tisch.

„Hallo!“, lächelte er.

Überrascht zuckte Mario zusammen und sah auf. Als er Björn erkannte wurde sein Blick fragend.

„Hallo!“, erwiderte er leise.

„Darf ich mich setzten?“

„Klar!“, abwesend deutete Mario auf den Sessel neben sich.

„Du warst gut heute.“, lächelte Björn und verstand sich dabei selbst nicht mehr.

„Ja, kann sein.“, antwortete Mario und schloss seine Hände noch stärker um die Tasse in seiner Hand.

Als seine Knöchel durch den starken Druck weiß hervortraten, griff Björn jedoch an die Tasse und nahm sie ihm aus der Hand.

„Nicht das du dich noch verletzt.“

„Wen interessiert das schon?“, murmelte Mario aber nur und sah auf seine Hände die jetzt verkrampft auf seinen Beinen lagen.

Unbequem rutschte Björn daraufhin auf dem weichen Stoff des Sessels herum. Was sollte er denn jetzt antworten? Er spürte, dass es Mario nicht gut ging. Aber was sollte er denn tun? Schließlich kannte er ihn doch kaum. Wobei er zugeben musste, dass seine Wut wegen des Wettbewerbs in diesem Moment verschwunden war als er Mario so verletzlich vor sich sitzen sah.

„Deine Eltern.“, antwortete er nach ein paar Sekunden. Es war die einfachste Antwort die ihm einfiel.

Doch Mario lachte daraufhin nur hohl auf.

„Das wäre mal was Neues.“, erklärte er traurig und sah wieder aus dem Fenster.

Björn schluckte schwer und beobachtete Mario einfach. Wie ihm in diesem Moment auffiel wirkte er blass und ausgezehrt, aber auch erschreckend dünn. Denn er konnte die Knochen seines Handgelenks deutlich sehen als er nach der Tasse griff und einen Schluck daraus nahm.

„Mein Gewicht ist in Ordnung!“, murmelte er als ihm Björns Blick schließlich auffiel.

Schnell hatte er dann die Ärmel seines Pullovers über die Hände gezogen.

„Ich wollte dazu aber gar nichts sagen.“, lächelte Björn dann.

Deutlich erkannte er kurz darauf den roten Schimmer der sich auf Marios Wangen gelegt hatte.

„Tut mir Leid, aber ich bin bei dem Thema ein bisschen sensibel geworden.“

Björn lächelte einfach und legte seine Hand auf Marios Unterarm.

„Macht doch nichts.“

Dessen Blick flackerte jedoch immer wieder auf die Hand auf seinem Unterarm. In diesem Moment wurde auch Björn bewusst was er da tat. Als ob er sich verbrannt hatte zog er direkt seine Hand zurück. Mario legte dann einfach seine Finger auf die Stelle an der Björns gerade noch gelegen hatten. Die Stelle war immer noch warm und kribbelte leicht. Schließlich sah er auf und lächelte, Björn blickte währenddessen krampfhaft in die Teetasse die ihm die Kellnerin in der Zwischenzeit gebracht hatte. Er verstand sich selbst nicht mehr. Was war eigentlich in den letzten Minuten mit ihm passiert? Nach dem Wettkampf war er so sauer und enttäuscht gewesen und hätte Mario Innauer am Liebsten nie wieder sehen wollen. Doch jetzt saß er mit ihm hier, trank Tee und versuchte sein bestes um ihn wieder aufzubauen. Warum das nach dem heutigen Tag überhaupt nötig war, war zwar etwas, dass er nicht verstand doch er wollte nicht darüber nachdenken.

„Kommst du nachher zu diesem Interview?“, fragte Mario plötzlich.

Wie Björn auffiel war es in diesem Moment das erste Mal, dass er es schaffte ihm in die Augen zu sehen. Und in seiner Frage schien auch wirkliches Interesse zu liegen.

„Mika besteht darauf.“, murmelte Björn nur und sah aus dem Fenster.

„Mein Vater auch.“, antwortete Mario leise.

„Hast du nicht Lust ein wenig spazieren zu gehen? Das Wetter ist noch wirklich schön, es ist nicht zu kalt und ich würde gerne noch ein bisschen an die frische Luft bis zum Interview.“, wie so oft in der letzten Zeit verstand Björn nicht was er da redete.

Doch Mario lächelte nur und nickte dann.

„Sehr gerne.“

Somit standen sie auf und verließen das Hotel. Eine ganze Zeit lang liefen sie einfach neben einander her. Doch Björn entging es nicht wie fasziniert Mario vom Schnee war, seine Augen begannen zu leuchten als er auf den Schnee sah der in der Sonne glitzerte. Eine Faszination die er selbst mit der Zeit verloren hatte.

„Es ist wirklich schön hier.“, erklärte Mario plötzlich und lächelte wieder.

Doch dieses Mal war das Lächeln ehrlich und vor allem echt.

„Darf ich dich etwas fragen Mario?“

„Klar!“, leicht verwirrt sah er Björn an.

„Warum bist du so niedergeschlagen? Ich mein nach einem Tag wie heute, nach einem solchen Resultat bei deinem ersten Weltcupspringen hast du doch keinen Grund dazu.“

Genau in diesem Moment bereute Björn seine Frage, denn der traurige Blick in Marios Augen kam daraufhin wieder. Besorgt beobachtete er wie er seine Hände tief in die Jackentaschen schob und starr geradeaus sah. Dann seufzte er.

„Kannst du dir vorstellen wie es ist immer nur als ‚der Sohn’ gesehen zu werden? Immer im Schatten von Anton Innauer zu stehen obwohl er schon ewig nicht mehr springt? Bei jedem Sprung den ich mache mit ihm verglichen zu werden?“, Marios Stimme war mit jedem Wort immer leiser geworden.

„Nein, das kann ich nicht.“, antwortete Björn genauso leise.

„Es gibt nichts was ich mehr hasse. Vor allem, weil mein Vater auch nicht mit mir zufrieden ist. Immer wieder sagt er mir wie schlecht ich doch bin und das ich nicht sein Sohn sein könnte. Schließlich wäre er in meinem Alter schon Junioren – Sieger bei der Dreiländertour gewesen.“

Björn bemerkte in diesem Moment genau wie Mario mit seiner Beherrschung und den Tränen kämpfte. Und er wusste auch, dass er durch seine Frage diese Gefühle aufgebracht hatte. Aber irgendwie tat es ihm auch weh den Schmerz in dessen Stimme zu hören. Er konnte sich nicht vorstellen wie grausam es sein musste immer nur kritisiert zu werden. Schließlich zog er ein paar Taschentücher aus der Jackentasche und streckte sie Mario hin.

„Hier!“

„Danke!“, erwiderte er nur.

„Es tut mir Leid, ich hätte nicht nachfragen sollen.“

„Das muss dir nicht Leid tun Björn.“, kurz hielt er inne. „Das muss ihnen nicht Leid tun.“

„Das ‚du’ ist schon in Ordnung.“, lächelte er nur. Dann streckte er Mario die Hand hin. „Björn Einar Romoeren, aber du kannst mich gerne Björn rufen.“

Daraufhin erschien wieder dieses ehrliche Lächeln auf Marios Zügen, dann nahm er Björns Hand.

„Danke! Mario Innauer, aber du kannst mich gerne Mario rufen.“

Wenig später begannen beide zu lachen.

„Nachdem wir das nun auch geklärt haben können wir uns auch dem Interview stellen.“

„Ist es schon so spät?“, wollte Mario dann wissen und sah auf seine Armbanduhr.

Er seufzte als er erkannte, dass sie nur noch eine halbe Stunde Zeit hatten.

„Du hast doch heute sicher nichts zu befürchten. War eine tolle Leistung für das erste Weltcupspringen.“

„Danke! Ich hätte auch nie geglaubt, dass ich weiter springen könnte als du. Schließlich bist du der Weltrekordhalter und ein begnadeter Springer.“

Genau spürte Björn wie er in diesem Moment rot wurde…

3 Kommentare 11.11.08 16:43, kommentieren