Zum Fliegen braucht man Flügel!

Disclaimer:
Ich kenne keine der in der Geschichte vorkommenden Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens. Jegliche Handlungen entspringen meiner Fantasie und ich möchte niemandem damit zu nahe treten. Jeder gehört nur sich selbst. Ich verdiene mit dieser Geschichte kein Geld. Allerdings erhebe ich Anspruch auf die Urheberrechte der von mir geschaffenen Charaktere und Handlungsabläufe.

Nach dem Springen der Vierschanzentournee in  Innsbruck (4.1.2007):

Frustriert und unendlich enttäuscht warf Björn seine Ski in eine Ecke der Mannschaftshütte. Wenig später folgten sein Helm und die Brille. Er selbst setzte sich dann einfach auf einen der Stühle und starrte auf den staubigen Boden. Ein Kind! Ein Kind hatte ihn, den Weltrekordhalter im Skifliegen, aus dem Wettbewerb geworfen! Dieser kleine Junge, nicht einmal 17 Jahre war er alt.

„Na du Bruchpilot!“, grinsend betrat Roar die Hütte.

„Was willst du?“, knurrte Björn nur und sah ihn wütend an.

„Mal nachsehen was du tust! Schließlich wollen wir alle nicht, dass du Dummheiten machst!“

„Welche Dummheiten?“

Doch Roar zuckte nur mit den Schultern und zog sich einen weiteren Stuhl heran auf den er sich setzte.

„Ich war heute auch nicht besser!“, erklärte Roar und grinste schief.

„Aber du hast dich nicht von einem Kind aus dem Wettbewerb werfen lassen!“, brauste Björn auf. Mit einer wütenden Handbewegung zog er sich dann das Haargummi aus den Haaren.

„Der Innauer ist kein Kind Björn. Gut er mag noch sehr jung sein, aber er weiß was er tut, wenn er auf der Schanze steht.“

In diesem Moment funkelte Björn ihn nur wütend an. „Auf welcher Seite stehst du eigentlich? Du bist genauso Norweger wie ich! Da solltest du doch zu mir halten!“

„Übertreib nicht Björn!“, antwortete Roar nur, stand auf und verließ die Hütte.

Wenig später kam jedoch auch noch Mika herein.

„Bei dir ist ja heute alles schief gelaufen, oder?“, meinte er nur und setzte sich zu ihm.

Doch Björn knurrte nur.

„Ich hab im Übrigen keine guten Nachrichten für dich.“

„Warum?“

„Weil der Verband einen Interviewtermin angesetzt hat.“

„Ja und?“, wollte Björn nur genervt wissen.

„Mario Innauer wird ebenfalls dabei sein.“

„Was?“, rief er aufgebracht. „Nicht mit mir!“

„Der Verband besteht darauf Björn.“, versuchte Mika ihn zu beruhigen.

„Ich fass es nicht.“, murmelte er.

Wenig später hatte er seine Sachen gepackt und die Hütte verlassen.

„Um 19.00Uhr im Mannschaftshotel!“, rief Mika ihm noch hinterher.

Daraufhin nickte Björn grimmig und ging davon. Bei den Betreuern holte er sich dann seine Jacke und seine Schuhe. Schon kurz darauf hatte er dem überraschten Mann dort seine Skistiefel hingestellt und sich auf den Weg zurück ins Hotel gemacht. Ungefähr zwanzig Minuten später stand er dann durchgefroren vor dem Hotel ‚Bergmanns Hof’. Aber der Fußweg hatte seine Gedanken geklärt und er fühlte sich wieder frischer. Um sich ein wenig aufzuwärmen beschloss er zuerst in das hoteleigene Café zu gehen und dort einen Tee zu trinken. Doch bereits an der gläsernen Eingangstüre zuckte er erschreckt zurück. Mario Innauer saß an einem der Fenstertische, rührte in einer Tasse heißer Schokolade und starrte mit traurigem Blick aus dem Fenster auf den Schnee. Überrascht sah Björn auf den jungen Mann. Er konnte sich nicht erklären warum Mario schlechte Laune haben sollte, schließlich hatte er doch wirklich gute Resultate erzielt. Aus einem spontanen Gedanken heraus ging er dann auf den Tisch zu. Bei einer vorbeikommenden Kellnerin bestellte er sich einen Tee. Schließlich trat er zu Mario an den Tisch.

„Hallo!“, lächelte er.

Überrascht zuckte Mario zusammen und sah auf. Als er Björn erkannte wurde sein Blick fragend.

„Hallo!“, erwiderte er leise.

„Darf ich mich setzten?“

„Klar!“, abwesend deutete Mario auf den Sessel neben sich.

„Du warst gut heute.“, lächelte Björn und verstand sich dabei selbst nicht mehr.

„Ja, kann sein.“, antwortete Mario und schloss seine Hände noch stärker um die Tasse in seiner Hand.

Als seine Knöchel durch den starken Druck weiß hervortraten, griff Björn jedoch an die Tasse und nahm sie ihm aus der Hand.

„Nicht das du dich noch verletzt.“

„Wen interessiert das schon?“, murmelte Mario aber nur und sah auf seine Hände die jetzt verkrampft auf seinen Beinen lagen.

Unbequem rutschte Björn daraufhin auf dem weichen Stoff des Sessels herum. Was sollte er denn jetzt antworten? Er spürte, dass es Mario nicht gut ging. Aber was sollte er denn tun? Schließlich kannte er ihn doch kaum. Wobei er zugeben musste, dass seine Wut wegen des Wettbewerbs in diesem Moment verschwunden war als er Mario so verletzlich vor sich sitzen sah.

„Deine Eltern.“, antwortete er nach ein paar Sekunden. Es war die einfachste Antwort die ihm einfiel.

Doch Mario lachte daraufhin nur hohl auf.

„Das wäre mal was Neues.“, erklärte er traurig und sah wieder aus dem Fenster.

Björn schluckte schwer und beobachtete Mario einfach. Wie ihm in diesem Moment auffiel wirkte er blass und ausgezehrt, aber auch erschreckend dünn. Denn er konnte die Knochen seines Handgelenks deutlich sehen als er nach der Tasse griff und einen Schluck daraus nahm.

„Mein Gewicht ist in Ordnung!“, murmelte er als ihm Björns Blick schließlich auffiel.

Schnell hatte er dann die Ärmel seines Pullovers über die Hände gezogen.

„Ich wollte dazu aber gar nichts sagen.“, lächelte Björn dann.

Deutlich erkannte er kurz darauf den roten Schimmer der sich auf Marios Wangen gelegt hatte.

„Tut mir Leid, aber ich bin bei dem Thema ein bisschen sensibel geworden.“

Björn lächelte einfach und legte seine Hand auf Marios Unterarm.

„Macht doch nichts.“

Dessen Blick flackerte jedoch immer wieder auf die Hand auf seinem Unterarm. In diesem Moment wurde auch Björn bewusst was er da tat. Als ob er sich verbrannt hatte zog er direkt seine Hand zurück. Mario legte dann einfach seine Finger auf die Stelle an der Björns gerade noch gelegen hatten. Die Stelle war immer noch warm und kribbelte leicht. Schließlich sah er auf und lächelte, Björn blickte währenddessen krampfhaft in die Teetasse die ihm die Kellnerin in der Zwischenzeit gebracht hatte. Er verstand sich selbst nicht mehr. Was war eigentlich in den letzten Minuten mit ihm passiert? Nach dem Wettkampf war er so sauer und enttäuscht gewesen und hätte Mario Innauer am Liebsten nie wieder sehen wollen. Doch jetzt saß er mit ihm hier, trank Tee und versuchte sein bestes um ihn wieder aufzubauen. Warum das nach dem heutigen Tag überhaupt nötig war, war zwar etwas, dass er nicht verstand doch er wollte nicht darüber nachdenken.

„Kommst du nachher zu diesem Interview?“, fragte Mario plötzlich.

Wie Björn auffiel war es in diesem Moment das erste Mal, dass er es schaffte ihm in die Augen zu sehen. Und in seiner Frage schien auch wirkliches Interesse zu liegen.

„Mika besteht darauf.“, murmelte Björn nur und sah aus dem Fenster.

„Mein Vater auch.“, antwortete Mario leise.

„Hast du nicht Lust ein wenig spazieren zu gehen? Das Wetter ist noch wirklich schön, es ist nicht zu kalt und ich würde gerne noch ein bisschen an die frische Luft bis zum Interview.“, wie so oft in der letzten Zeit verstand Björn nicht was er da redete.

Doch Mario lächelte nur und nickte dann.

„Sehr gerne.“

Somit standen sie auf und verließen das Hotel. Eine ganze Zeit lang liefen sie einfach neben einander her. Doch Björn entging es nicht wie fasziniert Mario vom Schnee war, seine Augen begannen zu leuchten als er auf den Schnee sah der in der Sonne glitzerte. Eine Faszination die er selbst mit der Zeit verloren hatte.

„Es ist wirklich schön hier.“, erklärte Mario plötzlich und lächelte wieder.

Doch dieses Mal war das Lächeln ehrlich und vor allem echt.

„Darf ich dich etwas fragen Mario?“

„Klar!“, leicht verwirrt sah er Björn an.

„Warum bist du so niedergeschlagen? Ich mein nach einem Tag wie heute, nach einem solchen Resultat bei deinem ersten Weltcupspringen hast du doch keinen Grund dazu.“

Genau in diesem Moment bereute Björn seine Frage, denn der traurige Blick in Marios Augen kam daraufhin wieder. Besorgt beobachtete er wie er seine Hände tief in die Jackentaschen schob und starr geradeaus sah. Dann seufzte er.

„Kannst du dir vorstellen wie es ist immer nur als ‚der Sohn’ gesehen zu werden? Immer im Schatten von Anton Innauer zu stehen obwohl er schon ewig nicht mehr springt? Bei jedem Sprung den ich mache mit ihm verglichen zu werden?“, Marios Stimme war mit jedem Wort immer leiser geworden.

„Nein, das kann ich nicht.“, antwortete Björn genauso leise.

„Es gibt nichts was ich mehr hasse. Vor allem, weil mein Vater auch nicht mit mir zufrieden ist. Immer wieder sagt er mir wie schlecht ich doch bin und das ich nicht sein Sohn sein könnte. Schließlich wäre er in meinem Alter schon Junioren – Sieger bei der Dreiländertour gewesen.“

Björn bemerkte in diesem Moment genau wie Mario mit seiner Beherrschung und den Tränen kämpfte. Und er wusste auch, dass er durch seine Frage diese Gefühle aufgebracht hatte. Aber irgendwie tat es ihm auch weh den Schmerz in dessen Stimme zu hören. Er konnte sich nicht vorstellen wie grausam es sein musste immer nur kritisiert zu werden. Schließlich zog er ein paar Taschentücher aus der Jackentasche und streckte sie Mario hin.

„Hier!“

„Danke!“, erwiderte er nur.

„Es tut mir Leid, ich hätte nicht nachfragen sollen.“

„Das muss dir nicht Leid tun Björn.“, kurz hielt er inne. „Das muss ihnen nicht Leid tun.“

„Das ‚du’ ist schon in Ordnung.“, lächelte er nur. Dann streckte er Mario die Hand hin. „Björn Einar Romoeren, aber du kannst mich gerne Björn rufen.“

Daraufhin erschien wieder dieses ehrliche Lächeln auf Marios Zügen, dann nahm er Björns Hand.

„Danke! Mario Innauer, aber du kannst mich gerne Mario rufen.“

Wenig später begannen beide zu lachen.

„Nachdem wir das nun auch geklärt haben können wir uns auch dem Interview stellen.“

„Ist es schon so spät?“, wollte Mario dann wissen und sah auf seine Armbanduhr.

Er seufzte als er erkannte, dass sie nur noch eine halbe Stunde Zeit hatten.

„Du hast doch heute sicher nichts zu befürchten. War eine tolle Leistung für das erste Weltcupspringen.“

„Danke! Ich hätte auch nie geglaubt, dass ich weiter springen könnte als du. Schließlich bist du der Weltrekordhalter und ein begnadeter Springer.“

Genau spürte Björn wie er in diesem Moment rot wurde…

11.11.08 16:43

bisher 2 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Tiylerix (15.11.08 19:33)
hallo
ich wollte nur mal sagen, dass ich es total schade finde das du die fanfic von fanfiktion.de gelöscht hast, da sie meine lieblings story war. =(
Ich weiß das ich da nichts machen kann und ich es so nehmen muss wie es ist... aber ich wollte fragen ob es möglich ist das du mir die geschichte per e-mail schickst.
darüber würde ich mich sehr freuen.

schöne grüße noch

Tiylerix


dark river (25.12.08 13:59)
hallo,
ich kann dem anderen kommentar nur zustimmen. "zum fliegen braucht man flügel" war wirklich meine lieblingsfanfic, und das ist jetzt nicht übertrieben. ich hab sie geliebt (und liebe sie immer noch), du kannst einfach toll schreiben.

allein die tatsache, dass ich sie gar nicht oft genug lesen kann, sagt schon eine menge.
aber ich kann dich auch verstehen (also, dass du deinen account löschen willst bzw. das getan hast), hab selbst meine storys gelöscht. von daher kann ich die entscheidung nachvollziehen, bin aber trotzdem traurig.

aber ich finde es toll, dass diese geschichte an anderer stelle erhalten bleibt.
kompliment nochmal für die story, sie ist wirklich toll.

ganz liebe grüße und danke für die story
anna

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