Zum Fliegen braucht man Flügel!

Disclaimer:
Ich kenne keine der in der Geschichte vorkommenden Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens. Jegliche Handlungen entspringen meiner Fantasie und ich möchte niemandem damit zu nahe treten. Jeder gehört nur sich selbst. Ich verdiene mit dieser Geschichte kein Geld. Allerdings erhebe ich Anspruch auf die Urheberrechte der von mir geschaffenen Charaktere und Handlungsabläufe.

 

Lachend und äußerst gut gelaunt saß Mario Innauer im Restaurant des Mannschaftshotels ‚Bergmanns Hof’. Es war ihm immer noch unbegreiflich was in den letzten Stunden passiert war und wem er gerade gegenüber saß. Amüsiert beobachtete er nun Björn der mit hochgezogenen Augenbrauen die Karte durchging.

„Blamiere ich mich sehr, wenn ich zugebe, dass ich bei den meisten Sachen auf der Karte keine Ahnung habe was es ist?“, wollte Björn wissen und sah von der Karte auf.

Doch Mario lächelte nur und schüttelte dann den Kopf.

„Nein, überhaupt nicht. Es ging mir auch nicht anders als ich zum ersten Mal in Norwegen war.“

„Norwegen ist viel einfacher!“, lächelte Björn.

„Ist wohl alles eine Frage der Sichtweise.“, erwiderte Mario. „Im Übrigen würde ich dir die Tirtln empfehlen!“

„Was?“, fragend sah Björn ihn daraufhin an. „Eine Übersetzung wäre nett!“

„Hmm!“, für einen kurzen Moment schwieg Mario. Scheinbar dachte er darüber nach wie er den Begriff am besten erklären konnte. „Also eine Übersetzung in dem Sinn gibt es nicht. Tirtln sind einfach kleine Krapfen die mit Spinat und Topfen gefüllt werden. Teilweiße kann es auch Sauerkraut oder Kartoffeln sein. Zum Abschluss werden sie dann in heißem Fett gebacken.“

„Klingt nicht schlecht!“

„Ist eben eine Tiroler Spezialität die sonst nicht sehr weit verbreitet ist. Ansonsten wären vielleicht Schluzer eher etwas für dich.“

„Mario!“, grinste Björn daraufhin nur.

„Ist ja gut, ich erklär ja schon!“, erwiderte dieser und schüttelte grinsend den Kopf. „Schluzer ist die Kurzform für Schlutzkrapfen. Sie ähneln den Kärntner Nudeln und sind einfach kleine Teigtaschen. Laut dem original Rezept werden sie mit Spinat und Topfen gefüllt. Inzwischen gibt es jedoch sehr viele abgeänderte Formen. Beispielsweiße werden sie auch mit Käse oder Fleisch gefüllt.“

„Geht doch!“, lachte Björn.

Kurz darauf hatten sie die Kellnerin an ihren Tisch gerufen und ihre Bestellung aufgegeben. Wie er zugeben musste hatte er jedoch nur die Hälfte von dem verstanden was Mario der Frau gesagt hatte. Noch weniger hatte er mitbekommen was er sich selbst bestellt hatte. Vielleicht war dafür sein Deutsch auch einfach nicht gut genug.

„Mario?“

„Was ist?“, fragte er zurück.

„Verrätst du mir eigentlich was ein ‚Hendl’ ist?“

Auf diese Frage hin schenkte Mario ihm nur ein warmes Lächeln.

„Kylling!“, antwortete er dann.

„Du… Du sprichst Norwegisch?“, fragte Björn überrascht.

„Ein wenig, eben soviel das ich nicht verhungern müsste und mich ein bisschen verständigen kann, wenn ich in Norwegen unterwegs bin.“

„Ich stelle fest, dass in dir viele Geheimnisse stecken.“

„Kann schon sein!“, murmelte Mario und nippte an seinem Wasser.

Bevor Björn jedoch antworten konnte brachte die Kellnerin ihr Essen. Misstrauisch beäugte er die kleinen Teigtaschen auf seinem Teller.

„Das kann man essen Björn.“, kicherte Mario.

„Bist du dir da sicher?“, fragte er nach und stach die Zinken seiner Gabel in eine der Teigtaschen.

„Ja! Und zwar so!“, erwiderte Mario nur.

Kurz darauf hatte er eine der Teigtaschen von Björns Teller genommen und genießerisch gegessen. Fasziniert beobachtete Björn das weiche Lächeln auf Marios Lippen das dabei entstand.

„Hey!“, meinte dieser dann gespielt entrüstet.

Grinsend nahm er daraufhin seine Gabel und stibitzte eine der Nockerln von Marios Teller.

„Ausgleichende Gerechtigkeit!“, erklärte er und lachte.

Das die anderen Hotelgäste sie währenddessen beobachteten und den sich teilweiße über ihr Verhalten aufregten störte sie dabei beide nicht. Mario genoss einfach das Gefühl wieder frei Lachen zu können und Björn gewöhnte sich, auf eine positive Weiße, immer mehr an die Anwesenheit des jungen Mannes. Und er musste sich dabei auch eingestehen, dass er doch nicht das Kind war für das er Mario gehalten hatte.

„Wo seid ihr eigentlich untergebracht in Bischofshofen?“, wollte er dann von ihm wissen.

In diesem Moment ertappte sich Björn bei dem Wunsch, dass die österreichische Mannschaft wieder im selben Hotel wie die norwegische untergebracht sein würde. Diese Tatsache sorgte dann auch dafür, dass er rot wurde.

„Soweit ich bisher weiß haben wir unsere Zimmer im ‚Senner Wirt’. Warum?“

Innerlich seufzte Björn auf, denn das Hotel ‚Senner Wirt’ war nicht das selbe wie seines.

„Nur so. Die norwegische Mannschaft hat ihre Räumlichkeiten dieses Mal im ‚Bischofshofen’.“, erklärte er.

Als Mario daraufhin zu lachen begann sah Björn ihn nur überrascht an.

„Was ist?“

„Du weißt schon, dass die beiden Hotels nur ein paar Straßen auseinander liegen?“, fragte er leise.

Björn antwortete daraufhin nicht sondern schluckte nur. Seit wann war es für andere so leicht ihn zu durchschauen? Eigentlich war er doch Skandinavier und hatte deshalb auch den Ruf als ‚Ice Man’ wie jeder aus diesen Ländern. Bisher hatte er es auch wirklich geschafft diese Annahme zu bestätigen. Doch er begriff einfach nicht was Mario mit ihm machte. Denn in seiner Gegenwart schien er diese kühle Fassade nicht zu brauchen und konnte so sein wie er wirklich war. Währenddessen war Mario der nachdenkliche Ausdruck auf Björns Zügen aufgefallen. Ob er zu weit gegangen war? Sollte er ihn darauf ansprechen oder doch lieber schweigen? Aber gleichzeitig wollte er das nicht zerstören was sich zwischen ihnen beiden zu entwickeln schien. Dabei hallte auch immer wieder dieser eine Satz in seinem Kopf den sein Vater bei einem Streit einmal zu ihm gesagt hatte.

„Du bist ein Nichtsnutz und zerstörst die Dinge ohne darüber nachzudenken!“

Vielleicht war es ja wirklich die Wahrheit was er gesagt hatte?

„Es tut mir Leid Björn!“, murmelte er und wollte aufspringen.

Doch Björn reagierte schneller und hielt ihn am Handgelenk fest. Fragend sah er ihn für ein paar Sekunden an.

„Was tut dir Leid?“, wollte er verwirrt wissen.

„Ich bin zu weit gegangen…“

„Das bist du nicht Mario! Ganz sicher nicht!“, erklärte er sanft.

„Aber du hast so nachdenklich gewirkt und ich hab einfach gedacht, dass ich zu weit gegangen bin, mal wieder nicht nachgedacht hab was ich sage.“

„Das war doch nicht wegen dir.“, meinte Björn und lockerte den Griff um Marios Handgelenk ein wenig.

Verwirrt sah Mario ihn für ein paar Sekunden an.

„Ich bin es nicht gewohnt, dass jemand meine Gedanken so schnell durchschaut. Weißt du egal welchen Skandinavier du nimmst, wir alle haben den Ruf als ‚Ice Man’. Immer völlig abgeklärt der Presse und allen anderen gegenüber, keine nach außen sichtbaren Gefühle. Die meisten Leute die mich kennen halten mich für zu kompliziert und wissen nicht wie sie mit mir umgehen sollen. Aber du hast direkt verstanden was ich gemeint hab mit der Frage nach eurem Hotel. Das hat mich einfach verblüfft.“, erklärte Björn leise.

Als Mario daraufhin den Mund öffnete um etwas zu sagen schüttelte er nur lächelnd den Kopf.

„Untersteh dich, dich jetzt wieder zu entschuldigen!“

Genau erkannte er dabei wie Mario langsam rot wurde.

„Wann fahrt ihr eigentlich nach Bischofshofen?“, fragte er dann um das Thema zu wechseln.

Für einen kurzen Moment schüttelte Mario den Kopf um seine Gedanken zu klären und räusperte sich schließlich.

„Morgen früh um acht Uhr. Mein Vater geht von ungefähr zwei Stunden Fahrtzeit aus. Und da er noch ein paar Trainingssprünge machen will…“, ohne seinen Satz zu vervollständigen lies er seine Antwort ausklingen.

„Dann sehen wir uns in Bischofshofen wieder?“, fragte Björn hoffnungsvoll.

Dieses Mal wurde er deutlich rot. Wobei ihm sein Verhalten einfach nicht mehr klar war. Er verhielt sich wie ein Teenager! Dabei war Mario neun Jahre jünger als er selbst! Doch trotz allem hatte er einfach den starken Wunsch diesen jungen Mann wieder zu sehen und ihn noch besser kennen zu lernen.

„Gerne!“, lächelte Mario.

Wenig später hatten sie das Essen dann beendet und das Restaurant verlassen. Schließlich standen sie sich an der Treppe gegenüber.

„Ich freu mich darauf dich bald wieder zu sehen!“, erklärte Mario.

Für ein paar Sekunden genoss Björn daraufhin den Blick in dessen braune Augen. Denn diese hatten in den letzten Stunden ein leichtes Leuchten entwickelt, dass ihn selbst fast schon anzog. Zudem war er sich auch absolut sicher, dass Mario eine weitaus strahlendere Seele besaß als das was davon zurzeit sichtbar war. Und er wollte nichts mehr als dieses Leuchten sichtbar zu machen.

„Ich mich auch!“, erwiderte er ehrlich.

Wer von den beiden schließlich seine Scheu zuerst überwand, den letzten Schritt tat und den anderen in seine Arme zog konnte keiner von beiden sagen. Doch sie standen sicher für mehrere Minuten einfach zusammen und hielten sich, wie die Zeit dabei verstrich bemerkten sie gar nicht. Erst als sich hinter ihnen jemand räusperte fuhren sie auseinander. Fast schon panisch drehten sie sich zu dem anderen um. Doch direkt darauf erschien ein leichtes Lächeln auf Björns Lippen.

„Musst du uns so erschrecken Roar?“, wollte er grinsend wissen.

„Ja!“, erwiderte dieser entschieden und lachte.

Mario stand in diesem Moment nur neben den beiden und trat nervös von einem Fuß auf den anderen. Scheinbar schien Roar das jedoch aufgefallen zu sein. Mit einem freundlichen Lächeln trat er schließlich auf ihn zu.

„Wenn Björn schon seine Manieren vergisst muss ich es ja nicht auch tun. Roar Ljokelsoy! Freut mich!“, meinte er und reichte Mario die Hand.

Dieser nahm sie und schüttelte sie leicht. „Mario Innauer! Freut mich auch!“

Für die gesamte Zeit bemerkte er jedoch den verunsicherten Blick von Roar. Er schien wohl nicht zu wissen was sich gerade abspielte. Doch Björn schien das ebenfalls bemerkt zu haben.

„Wir sehen uns dann in Bischofshofen.“, lächelte er Mario zu.

„Ja!“, erwiderte dieser.

Kurz darauf war er zu seinem Zimmer gegangen. Mit einem letzten freundlichen Blick, der vor allem Björn galt, betrat er den Raum und schloss die Türe hinter sich. Direkt als er außer Sichtweite war drehte sich Roar zu Björn.

„Björn? Was war das?“, wollte er wissen.

„Komm mit in mein Zimmer, ich erklär dir alles.“, meinte er leise.

Kopfschüttelnd folgte Roar Björn in diesem Moment zu dessen Zimmer. Denn auf diese Erklärung war er wirklich gespannt…

11.11.08 16:49

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