Zum Fliegen braucht man Flügel!

Disclaimer:
Ich kenne keine der in der Geschichte vorkommenden Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens. Jegliche Handlungen entspringen meiner Fantasie und ich möchte niemandem damit zu nahe treten. Jeder gehört nur sich selbst. Ich verdiene mit dieser Geschichte kein Geld. Allerdings erhebe ich Anspruch auf die Urheberrechte der von mir geschaffenen Charaktere und Handlungsabläufe.

 

Grinsend saß Roar Ljokelsoy auf dem Bett in Björns Zimmer. Dabei beobachtete er seinen besten Freund der, nach Worten suchend, durch sein Zimmer lief. Mit einem leisen Seufzen lehnte er sich gegen das Kopfteil des Bettes.

 

„Und? Ich warte immer noch auf deine Erklärung.“, meinte er auffordernd.

 

Frustriert strich sich Björn daraufhin die Haare aus dem Gesicht. Dann setzte er sich neben Roar und lehnte seinen Kopf an dessen Schulter.

 

„Ich weiß nicht wie ich es dir erklären soll Roar. Irgendwie versteh ich es selbst nicht.“

 

„Und wenn du einfach einmal von vorne erzählst? Wäre vielleicht ein Anfang Kleiner.“

 

Genau wusste er in diesem Moment wie sehr Björn diesen Spitznamen hasste. Doch er hatte einfach den Eindruck, dass er die Situation ein wenig auflockern musste. Und dieser schenkte ihm auch wirklich ein leichtes Lächeln.

 

„Nach dem Springen heute Nachmittag bin ich ins Hotel zurück. Im Café hab ich dann Mario getroffen.“, unruhig suchte Björn in diesem Moment den Blickkontakt zu seinem besten Freund.

 

Dieser legte ihm einen Arm um die Schultern. Einfach um ihm zu zeigen, dass er da war.

 

„Und dann?“, lächelte Roar.

 

„Ich weiß nicht warum ich ihn überhaupt angesprochen hab. Aber irgendwie sah er so verloren aus. Eigentlich hab ich gedacht wir sprechen ein paar Sätze und das wars. Aber irgendwie war es anders.“, murmelte Björn.

 

Dann stand er wieder auf und trat an das Fenster. Lange sah er einfach hinaus bevor er weiter sprach.

 

„Ich hab mich getäuscht.“, erklärte er plötzlich. „Mario ist kein Kind. Er ist erwachsener wie mancher der älteren Springer die ich bisher getroffen habe. Ach Roar, ich versteh mich doch selbst nicht mehr. Sag mir was ich tun soll.“

Lächelnd trat Roar daraufhin neben ihn, fest sah er Björn in die Augen.

„Warum setzt du dich selbst so unter Druck? Ihr beiden habt doch jede Zeit der Welt. Lernt euch doch einfach kennen und seht wohin es führt.“

„Ich hab aber den Eindruck, dass ich vorher wissen muss wohin es führen soll.“

Leicht seufzte Roar in diesem Moment, dann lehnte er sich vorsichtig gegen das Glas des Fensters.

„Mir ist klar, dass es nichts bringt dir zu sagen, dass du dich einfach treiben lassen sollst. Denn das kannst du nicht, nicht nachdem was damals passiert ist. Aber manchmal muss man einfach ein wenig Kontrolle abgeben Björn.“

Angespannt legte er seinen Kopf in den Nacken und seufzte. Doch Roar legte ihm nur den Arm um die Schultern und zog ihn an sich.

„Ich hab Angst Roar!“, gab Björn schließlich zu.

„Das ist mir klar. Und ich hab auch Angst, um dich. Aber niemand wird dich je wieder so verletzten wie Maksim damals, das verspreche ich dir. Und vielleicht hast du in Mario auch einfach ‚nur’ einen guten Freund gefunden und ein ‚mehr’ zwischen euch spielt nie eine Rolle.“

„Danke Roar!“, flüsterte Björn und lehnte sich gegen ihn.

„Warte einfach ab was die Zukunft bringt.“, lächelte dieser und schloss seine Arme fest um seinen besten Freund.

In diesem Moment schwor er sich auch, dass er Mario genau im Auge behalten würde. Denn nach allem was Björn mit seinem Ex – Freund hatte durchmachen müssen würde er nicht zulassen, dass es jemanden gab der ihn nochmals so verletzte. Denn es hatte lange gedauert bis das Lachen auf Björns Züge wiedergekehrt war. Und dieses zu verlieren würde er nicht nochmals riskieren…

Mit einem leisen Seufzen legte Mario seine Stirn gegen das kühle Glas der Fensterscheibe vor sich. Er konnte sich einfach nicht erklären was passiert war. Es hatte sich so gut angefühlt Björns Arme um sich zu spüren. Und wie er zugeben musste freute er sich wirklich darauf ihn in Bischofshofen wieder zu sehen…

Als es kurz darauf an der Türe klopfte zuckte er kurz zusammen bevor er sicht straffte und dann öffnete.

„Thomas!“, meinte er überrascht als er sah wer da vor der Türe stand.

„Ja, genau so heiße ich!“, grinste dieser nur.

„Morgenstern, was willst du?“, fragte Mario schließlich gut gelaunt.

„Weltcuppunkte haben eine komische Wirkung auf dich.“, murmelte Thomas und schüttelte den Kopf. „Aber ich wollte dich eigentlich nur fragen ob du mitkommst ins Restaurant? Ich will etwas essen. Und die anderen wollen sich lieber etwas ausruhen und später essen.“

„Ich war schon essen.“, erwiderte Mario und spürte dabei wie er rot wurde.

„Schade!“, murmelte Thomas. „Du könntest aber auch gerne mitkommen ohne etwas zu essen.“

„Gut, ich komm mit.“

„Klasse!“

Kopfschüttelnd nahm Mario schließlich den Schlüssel zu seinem Zimmer. Wenig später folgte er Thomas in das Hotelrestaurant. Als sie sich schließlich an einen der ruhigeren Tische gesetzt hatten winkte dieser direkt die Kellnerin heran, bei dieser bestellte er sich ein Wiener Schnitzel und lehnte sich dann zurück.

„Wie war eigentlich dein Interview?“, wollte er wissen und sah Mario an.

Doch dieser schüttelte nur den Kopf. „Ich mach diese ganze Pressesache einfach nicht gerne. Und ansonsten war es wie immer.“, erklärte er leise. „Na ja, fast.“, fügte er noch leise hinzu.

„Der Romoeren war auch dabei, nicht wahr?“

Deutlich spürte Mario in diesem Moment die Röte in sein Gesicht steigen.

„Ja, Björn war auch dabei.“, antwortete er.

„Wieso nennst du ihn beim Vornamen?“, fragte Thomas nur perplex zurück.

Abwesend spielte Mario mit der Serviette die vor ihm auf dem Tisch lag.

„Weil er es mir angeboten hat?“, flüsterte er dann.

Mit weit aufgerissenen Augen starrte Thomas ihn an.

„Er hat was?“

Da Mario wusste, dass Thomas nicht vorher aufhören würde zu fragen bis er die Wahrheit kannte erzählte er ihm einfach was sich in den letzten Stunden zugetragen hatte.

„Wow! Damit hätte ich jetzt nicht gerechnet.“, erklärte Thomas daraufhin.

„Ich auch nicht!“, lächelte Mario nur.

„Warum lässt du dir das Verhalten deines Vaters eigentlich immer noch bieten?“, fragte Thomas mit ernstem Unterton in der Stimme nach.

„Was soll ich denn machen Thomas?“, flüsterte Mario nur.

In seine Stimme war dabei der resignierte und abgekämpfte Ton zurückgekehrt.

„Ihm endlich sagen was du wirklich über das Springen und alles andere was er tut denkst.“

„Du weißt, dass das nicht geht.“

„Willst du zulassen, dass er weiterhin auf deinem Leben rumtrampelt? Sieh es dir doch an Mario! Jetzt ist es schon soweit, dass er versucht dir eine Freundschaft zu verbieten!“, brauste Thomas auf.

Daraufhin zuckte Mario kurz zusammen. Denn er wusste, dass Thomas Recht hatte mit dem was er sagte. Sein Vater kontrollierte sein Leben bis hin zu jeder Kleinigkeit, ein eigenes Leben hatte er so gut wie nicht mehr.

„Wie soll das denn noch weitergehen Mario?“, fragte er leise und lächelte ihn sanft an. „Ich weiß doch, dass du deine Zukunft nicht im Skispringen siehst.“

Völlig baff starrte Mario ihn einfach nur an.

„Woher weißt du das?“, fragte er dann leise nach.

„Ich hab es gesehen!“, erwiderte Thomas. „Wir waren damals in Bergen um zu trainieren. Dort haben wir doch auch diese Gruppe Meeresbiologen kennen gelernt. Erinnerst du dich?“

„Ja!“, Mario nickte, denn ihm war klar geworden was Thomas sagen wollte.

„Weißt du bei mir ist es einfach so, dass ich vom Herzen her an diesem Sport hänge. Ich will im Skispringen großes erreichen und dem Sport auch nach meiner Karriere verbunden bleiben. Aber bei dir ist es mir damals wirklich aufgefallen, dass das nicht der Weg ist den du für dich siehst. Es war wirklich schön zu sehen wie du aufgeblüht bist als wir uns damals mit dieser Forschergruppe unterhalten haben. Und ich muss auch zugeben, dass ich wirklich sprachlos war als ich festgestellt habe wie viel du über dieses ganze Thema weißt!“

Schüchtern lächelte Mario ihn nur an. Denn es war die Wahrheit was Thomas sagte. Selbst wenn es für jemanden wie ihn, der in den Bergen aufgewachsen war, seltsam klang, aber er hatte den Traum Biologe zu werden. Am liebsten noch Meeresbiologe. Doch genauso wusste er, dass sein Vater diesem Wunsch nie zustimmen würde. Für diesen war seit langem klar, dass sein Sohn ebenfalls Skispringer werden sollte, genauso wie er es gewesen war.

„Er würde es nicht verstehen.“, antwortete er nur und wusste, dass Thomas auch so verstand.

„Es ist dein Leben Mario, nicht das deines Vaters. Und es bringt doch nichts, wenn du dich unglücklich machst nur um deinem Vater zu gefallen.“

„Ich weiß es doch Thomas.“

Unbewusst ballten sich dabei seine Hände zu Fäusten zusammen. Das Gespräch mit Thomas brachte Empfindungen auf die er seit langem in sich versteckt gehalten hatte. Ein Gedanke brannte sich dabei einfach tief in seinen Geist. Er war es so satt sich von seinem Vater sein Leben diktieren zu lassen! Das Gespräch mit Björn, genauso wie das mit Thomas hatte diesen Wunsch nur noch verstärkt…

„Sehr ihr euch in Bischofshofen eigentlich wieder?“, wollte Thomas plötzlich wissen und lächelte ihn versonnen an.

„Ja!“, glücklich lächelnd nickte Mario.

„Also, wenn er dich dazu bringt so zu lächeln, dann bin ich dafür, dass ihr euch so blad wie möglich wieder seht.“

In diesem Moment lachte Mario nur. Doch er musste zugeben, dass er auch darauf hoffte Björn so bald wie möglich wieder zu sehen…

29.11.08 18:16

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