Zum Fliegen braucht man Flügel!

Disclaimer:
Ich kenne keine der in der Geschichte vorkommenden Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens. Jegliche Handlungen entspringen meiner Fantasie und ich möchte niemandem damit zu nahe treten. Jeder gehört nur sich selbst. Ich verdiene mit dieser Geschichte kein Geld. Allerdings erhebe ich Anspruch auf die Urheberrechte der von mir geschaffenen Charaktere und Handlungsabläufe.

 

Frustriert beobachtete Björn die Springer auf der Schanze von Bischofshofen. Sein Griff festigte sich dabei um die Krücke in seiner Hand. Über Nacht war sein Knöchel stark angeschwollen und verhinderte somit, dass er selbst mitspringen konnte. Mika hatte ihm auch ausdrücklich verboten auf die Schanze zu steigen und ihm stattdessen die Krücke gegeben damit er den Knöchel nicht noch weiter belastete. Somit war das letzte Springen der Vierschanzentournee für ihn zu Ende bevor es eigentlich begonnen hatte…

„Dann springst du also nicht.“

Überrascht fuhr Björn herum als er eine Stimme hinter sich hörte. Direkt erkannte er auch wer hinter ihm stand.

„Hallo Mario!“

„Hallo Björn! Dein Knöchel ist nicht besser geworden?“

„Nein!“, Björn seufzte leise. „Über Nacht ist alles stark angeschwollen und ich hab offizielles Sprungverbot.“

„Das tut mir Leid für dich!“, erwiderte Mario und strich ihm kurz über den Arm.

„Bin ja selbst schuld daran.“

„Hey, jetzt mach dich nicht selbst so fertig. Es war ein Unfall, du bist gestürzt. Nicht mehr und nicht weniger. Und zudem könnte ich jemanden gebrauchen der mir die Daumen drückt. Wenn du also sowieso nichts anderes vorhast…“, lächelte Mario und sah ihn an.

Für einen kurzen Moment schien sich Björn erst klar werden zu müssen was Mario gerade gesagt hatte. Dann schlich sich ein scheues Lächeln auf seine Lippen.

„Werde ich machen!“, erklärte er leise.

„Freut mich.“

„Und wie geht es dir? Schon nervös?“

„Eigentlich bin ich noch erstaunlich ruhig. Aber ich denke, dass es direkt vor dem Qualifikationsspringen nachher kommen wird.“, gab Mario zu.

„Das schaffst du sicher!“

„Siehst du dir das Springen eigentlich an oder bist du nur hier um den anderen Glück zu wünschen?“

Auf diese Frage hin lächelte Björn nur dann nickte er langsam.

„Clas, unser Sportchef hat mir einen Platz im ‚Family and Friends’ – Bereich besorgt. Ich werde also das Springen von dort aus mitverfolgen. Und im Übrigen wünsche ich nicht nur meinen Norwegern alles Gute. Sondern auch dir!“

„Danke!“, murmelte Mario nur und wurde rot.

Doch Björn war sich absolut sicher, dass das nicht an den Temperaturen lag, sondern vielmehr daran, dass Mario wirklich verlegen wurde.

„Ich glaub an dich!“, erwiderte er dann.

Ohne Marios Antwort noch abzuwarten hatte er sich schließlich umgedreht und war davon gegangen. Doch etwas mühsam humpelte er dann zum ‚Family and Friends’ – Bereich hinüber. Durch die Einlasskarte um seinen Hals hatte er auch keine Probleme mit dem Sicherheitspersonal das den Bereich von den übrigen Fans abschirmte. Mit einem leisen Seufzen lies sich Björn kurze Zeit später auf seinen Platz fallen. Er war frustriert! Sogar mehr als das! Aber er hatte selbst einsehen müssen, dass es keine Möglichkeit für ihn gab auf die Schanze zu steigen. Sonst hätte er wohl die Verletzung noch schlimmer gemacht. Und er war sich auch nicht sicher, dass er den Sprung so überhaupt hätte stehen können. Als er jedoch eine Gruppe norwegischer Fans entdeckte die ihm, über ein Plakat, gute Besserung wünschten legte sich sogar ein Lächeln auf seine Lippen. Gespannt sah Björn schließlich zur Schanze nach oben und beobachtete die Probespringer die die ersten Sprünge absolvierten. Nachdem die Schanze daraufhin freigegeben worden war traten die ersten Springer an. Doch Björn war mit seinen Gedanken nicht bei ihnen, er wartete eher darauf Mario springen zu sehen.

„Als nächstes auf der Schanze Mario Innauer, mit 16 Jahren einer der Jüngsten im gesamten Springerfeld!“

Erst die Worte des Stadionsprechers brachten Björn dazu wieder aufzusehen. Mit einem Lächeln auf den Lippen sah er dann nach oben. Trotz der Entfernung zwischen ihnen konnte er die Anspannung von Mario fast schon körperlich fühlen, denn schon dessen Körperhaltung drückte das sehr deutlich aus.

„Locker bleiben Mario! Bleib locker! Nicht verkrampfen!“, murmelte er immer wieder als er ihn bei der Sprungvorbereitung beobachtete.

Schließlich wurde er abgewunken und stieß sich daraufhin vom Balken ab. Björn beobachtete ihn mit angehaltenem Atem. Er war gespannt darauf ob Mario seine gute Form vom Springen in Innsbruck bestätigen konnte oder nicht. Denn auf eine seltsame Art nagte es immer noch an seinem Selbstvertrauen als Springer, dass Mario ihn geschlagen hatte…

Anerkennend pfiff Björn leise durch die Zähne als Mario nach einer fehlerlosen Leistung den Sprung stehen konnte. Dabei beobachtete er ihn die gesamte Zeit über, glücklich über seinen gelungenen Trainingssprung streckte er die Faust in die Luft.

„125,5 Meter! Nicht schlecht!“, murmelte Björn und sah zur Anzeigentafel.

Auch die Noten waren gut ausgefallen, somit konnte sich Mario auf den zweiten Platz schieben. Durch die Topspringer die erst nach ihm folgten wurde er zwar noch nach hinten geschoben doch der zwölfte Platz war ein gutes Ergebnis. Grinsend stellte er dabei fest, dass Roar mit ‚nur’ 124,5 Meter 14. geworden war. Und er kannte ihn lange genug um zu wissen, dass seinem besten Freund dieses Ergebnis nicht genügen würde.

Ungeduldig wartete Björn schließlich darauf, dass der zweite Durchgang beginnen würde. Nervös trommelte er auf das Plastik des Sitzes auf dem er saß. Er atmete fast schon erleichtert auf als er endlich Mario wieder auf der Schanze sah. Und dieses Mal konnte er seinen Sprung sogar noch einen Meter weiter nach unten ziehen und sprang auf 126,5 Meter.

„Das hast du richtig gut gemacht Mario!“, lächelte er.

Wenig später beobachtete Björn wie Roar auf den Balken stieg. Genau erkannte er wie angespannt er wirkte, doch eigentlich wusste er, dass Roar eine sehr große Erwartungshaltung an sich selbst hatte und deshalb auch sehr verbissen war und nun unbedingt zeigen wollte zu was er fähig war. Doch gerade diese Charaktereigenschaft hatte ihn dabei schon oft gute Sprünge gekostet.

„Roar bleib ruhig!“, murmelte Björn.

Kurz darauf hatte Mika ihn abgewunken und Roar stieß sich ab.

„Verdammt!“, fluchte Björn nur.

Denn Roar hatte den Sprung schon zu Beginn verpatzt, er hatte überdeutlich den richtigen Absprungpunkt auf dem Schanzentisch verpasst.

„Scheiße!“, war dann auch der einzige Kommentar den er noch übrig hatte als Roar aufkam.

Der Sprung war mit 121,5 Meter richtig schlecht gewesen und völlig unter seinen Möglichkeiten und reichte auch nur zum 30. Platz. Genau erkannte er auch wie Roar derb auf Norwegisch fluchte.

Da bis zum eigentlichen Qualifikationsspringen noch eine Pause angesetzt war beschloss Björn kurz zu den Springern zu gehen. Somit schob er sich durch die Menschen und stand auch bald vor den Containern der Mannschaften. Gerade als er zu seinen Mannschaftskameraden gehen wollte kam Roar heraus. Er schien wütend und gereizt zu sein. Doch wenn Björn ehrlich war hatte er nichts anderes erwartet.

„Hey Roar!“

Für einen kurzen Moment legte sich ein leichtes Lächeln auf dessen Lippen.

„Hey Björn!“

„Du kannst mehr Roar!“, erklärte Björn nur leise.

„Ich weiß!“, grummelte er.

Mit plötzlicher Wut fuhr er herum und schlug die Faust gegen die Metallwand des Containers.

„Der Sprung ging völlig daneben! Ich hab keine Ahnung woran es lag.“, dann schmunzelte er nur. „Sogar Mario ist besser gesprungen als ich. Der Junge hat wirklich was drauf!“

Nach dieser Aussage hatte Roar Björn zurückgelassen. Dieser starrte ihm einfach nur hinterher. Grinsend schüttelte er den Kopf als er Roar leise lachen hörte. Somit wand er sich ab und ging zu den Österreichern hinüber. Dabei hatte er sogar das Glück, dass er Mario alleine vor dem Container erkannte. Er hatte die Arme fest um sich geschlungen, den Kopf gegen das Metall gelehnt und die Augen geschlossen. Leise ging Björn schließlich an ihn heran.

„Du warst großartig!“

Erschrocken zuckte Mario zusammen und fuhr herum als jemand ihn plötzlich ansprach. Schwer atmend sah er Björn nur an, dieser kicherte leise.

„Mach das nicht noch mal!“, grinste er schließlich.

„War nicht böse gemeint.“, erwiderte Björn.

Mario lächelte dann doch und boxte ihm leicht gegen den Arm.

„Ist ganz gut gelaufen.“

„Jetzt sei doch nicht so bescheiden!“

„Na ja, das eigentliche Quali – Springen kommt ja erst noch.“

„Also das schaffst du auch noch.“

Unwirsch strich sich Mario die Haare aus der Stirn und seufzte leise.

„Warum wirst du jetzt unsicher? Du hast zwei tolle Sprünge gemacht Mario! Und der Quali – Sprung wird sicher auch gut laufen.“

„Wenn selbst Roar patzt?“, fragte Mario leise.

In diesem Moment verstand Björn warum Mario plötzlich unsicher war. Er zweifelte sowieso an sich und wenn er jetzt sah, dass selbst die Besten ihre Sprünge nicht sehr gut schafften schürte das die Zweifel an sich noch mehr.

„Du kannst das Mario! Du hast soviel Talent für diesen Sport! Lass dir von niemandem etwas anderes sagen! Und hör auf an dir zu zweifeln. Wenn du willst drück ich dir auch wieder die Daumen.“

„Danke Björn!“

Ohne genau darüber nachzudenken was er tat lehnte Mario seinen Kopf gegen Björns Brust. Dieser reagierte zwar etwas überrascht legte jedoch schnell ebenfalls die Arme um ihn.

„Weißt du eigentlich, dass du einer der ersten bist die jemals meine Fähigkeiten gelobt haben?“

„Ich geh sogar noch weiter.“, lächelte Björn.

Fragend sah Mario ihn nur an.

„Also ich bin der Meinung, dass du ohne Probleme die 130 Meter schaffen könntest. Somit würde ich dir einen Vorschlag machen.“

„Und welchen?“

„Spring die 130 Meter und ich lad dich zum Abendessen ein.“, meinte Björn.

Auf diesen Vorschlag hin lächelte Mario nur. Er war zwar, im Gegensatz zu Björn, nicht der Meinung, dass er diese Weite schaffen konnte, doch einen Versuch war es immerhin wert.

„Gut! Ich werd mein möglichstes tun!“

Björn hauchte ihm daraufhin einfach einen Kuss auf die Stirn.

„Bleib locker!“

Nach diesem Ratschlag verabschiedete sich Björn und ging wieder zum ‚Family and Friends’ – Bereich zurück. Dabei dachte er immer wieder darüber nach wie er auf die Idee gekommen war Mario einzuladen. Doch er hatte einfach diese verdammten Selbstzweifel nicht mehr ausgehalten. Und zudem war er der Meinung, dass Mario die 130 Meter wirklich springen konnte…

 

28.12.08 19:42

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