Zum Fliegen braucht man Flügel!

Disclaimer:
Ich kenne keine der in der Geschichte vorkommenden Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens. Jegliche Handlungen entspringen meiner Fantasie und ich möchte niemandem damit zu nahe treten. Jeder gehört nur sich selbst. Ich verdiene mit dieser Geschichte kein Geld. Allerdings erhebe ich Anspruch auf die Urheberrechte der von mir geschaffenen Charaktere und Handlungsabläufe.

 

Björn hatte ihn geküsst! Langsam sickerte diese Erkenntnis in Marios Gehirn. Anfangs hatte er gar nicht so darauf geachtet was Björn getan hatte, viel zu sehr war er in seinen Gedanken gefangen. Doch jetzt hatte er ein paar Minuten für sich selbst und da kehrte er schnell zu dieser Situation zurück…

„Hast du eigentlich Kopfschmerzen oder ist sonst etwas nicht in Ordnung?“

Überrascht fuhr Mario herum und sah dabei direkt in Thomas Gesicht. Dieser saß neben ihm und musterte ihn mit einem besorgten Blick.

„Nein, bei mir ist alles in Ordnung. Warum fragst du?“

„Na ja, du streichst dir die ganze Zeit so komisch über die Stirn.“, meinte er nur und zuckte mit den Schultern.

Erst in diesem Moment fiel Mario auf, dass er völlig in Gedanken versunken immer wieder die Stelle berührt hatte an der Björns Lippen gewesen waren. Ganz so als könnte er sie immer noch fühlen. Was machte dieser Mann eigentlich mit ihm?

„Kommst du eigentlich nachher mit?“

„Wohin?“, wollte Mario verwirrt wissen.

„Georg hat Morgen Geburtstag und will reinfeiern.“, erwiderte Thomas fast schon genervt. „Das weißt du aber seit, lass mich überlegen, zwei Wochen.“

„Tut mir Leid! Hab ich vergessen. Kann doch mal vorkommen.“, murmelte Mario verschämt.

„Eher von anderen Dingen abgelenkt!“, kicherte Thomas nur.

„Arsch!“, grummelte Mario und boxte ihm leicht in die Seite.

„Immer diese Aggressivität!“

Bevor Mario jedoch etwas antworten konnte wurde die Türe zu ihrem Container nochmals geöffnet. Fast schon erschrocken war er jedoch davon, dass sein Vater herein kam, denn während der Springen hatte er eigentlich keinen Grund im Bereich der Springer zu sein. Und auch der Ausdruck auf seinem Gesicht war nicht sehr freundlich. Scheinbar spürte auch Thomas seine Unsicherheit, denn er drückte kurz seine Hand.

„Wenn du mich brauchst dann sag es!“, flüsterte er.

„Danke!“

„Mario? Kommst du mal?“

Dieser schluckte schwer als er erkannte, dass die Stimme seines Vaters einen aggressiven Unterton hatte. Er konnte sich jedoch nicht erklären warum das der Fall sein sollte.

„Ich komm schon!“, meinte er nur und stand auf.

Schnell folgte er dann seinem Vater nach draußen, dieser baute sich vor ihm auf und fixierte ihn mit einem harten Blick.

„Willst du uns eigentlich alle blamieren oder was hast du vor?“, wollte Anton schließlich wissen.

„Was meinst du?“, fragte Mario leise zurück da er wirklich keine Ahnung hatte was sein Vater sagen wollte.

„Ich habe dir verboten dich mit diesem Romoeren abzugeben!“, grollte er.

Fast schon automatisch wich Mario einen Schritt zurück, denn er kannte diese Stimmlage seines Vaters sehr genau. Er war nur noch mühsam beherrscht, riss sich aber zusammen, weil sie in der Öffentlichkeit waren und jederzeit jemand auf ihn aufmerksam werden konnte.

„Björn ist…“

„Es ist mir egal!“, unterbrach Anton ihn barsch. „Ich hab dir schon gesagt, dass ich nicht will, dass du mit gegnerischen Springern Kontakt hast!“

„Das weiß ich!“, entgegnete Mario entschieden. „Aber ich hab Björn gerne und ich werde mir den Kontakt zu ihm nicht verbieten lassen!“

„Du ‚hast ihn gerne’?“, wiederholte er fast schon höhnisch. „Deshalb lässt du dich auch von ihm küssen oder was?“

Erschrocken keuchte Mario auf. Sein Vater hatte diese höchst private Situation zwischen Björn und ihm, seinen Moment der Schwäche mit angesehen?

„Das geht dich nichts an!“, presste er schließlich mühsam hervor.

Bevor er nun noch reagieren konnte hatte sein Vater ausgeholt und ihn geohrfeigt. Völlig überrascht davon stolperte er schließlich einen Schritt nach hinten und stürzte. Dabei versuchte er sich noch abzufangen, doch alles was er noch fühlte war ein stechender Schmerz in seinem linken Arm als er sich damit abstützen wollte. Für einen kurzen Moment nahm der Schmerz ihm auch den Atem, fest presste er die Augen zusammen bis er endlich nachließ.

„Manchmal glaube ich wirklich, dass du den Namen Innauer nicht wert bist!“, erklärte Anton wenig später.

Ohne sich um ihn zu kümmern hatte er sich umgedreht und war davon gegangen. Sprachlos starrte Mario ihm für ein paar Momente nur nach, dann rappelte er sich mühsam auf und ging wieder in den Container zurück. Thomas saß immer noch dort und sah ihm besorgt entgegen.

„Alles klar?“, wollte er dann wissen.

Mario nickte auf diese Frage hin nur. Kurz darauf hatte er sich in eine Ecke des Containers gesetzt und die Beine dicht an den Körper gezogen.

„Mario?“

Völlig perplex ging Thomas zu ihm und setzte sich neben ihn auf die Bank. Erschrocken fiel ihm dabei die rötliche Stelle an dessen Wange auf, als er jedoch genauer hinsah erkannte er, dass sich genau fünf Finger dort abzeichneten.

„Sag mir, dass er das nicht getan hat! Verdammt Mario! Sag mir, dass er dich nicht geschlagen hat!“, bat er fast schon.

Als er jedoch Marios leises Schluchzen hörte war das Antwort genug. Vorsichtig legte er ihm die Arme um und zog ihn an sich.

„Es wird alles wieder gut.“, flüsterte Thomas immer wieder. „Soll ich Björn fragen ob er herkommt?“

„Nein!“, war alles was Mario darauf noch antwortete.

Kurz darauf hatte er sich von Thomas losgemacht und wischte sich die Tränen ab.

„Sag es keinem! Bitte Thomas!“

„Natürlich! Du hast mein Wort!“

„Danke!“

Fragend beobachtete er dann jedoch wie Mario mit der rechten Hand sein linkes Handgelenk hielt, fast schon so als wollte er es dadurch stabilisieren. Und dabei musste er zugeben, dass er diese Geste genau von sich selbst kannte. Damals war er bei einem Sprung gestürzt und hatte sich das Handgelenk angebrochen, da jede Bewegung jedoch Schmerzen verursacht hatte, hatte er es anfangs mit der gesunden Hand gestützt. Bevor er jedoch etwas sagen konnte hatte Mario den Reisverschluss seines Sprunganzugs zugezogen und sich seine Startnummer wieder übergezogen.

„Ich muss auf die Schanze!“, erklärte er.

Genau erkannte Thomas jedoch den kurzen schmerzhaften Ausdruck auf Marios Gesicht als er mit der linken Hand nach seinen Ski griff. Schnell war er dann jedoch aus dem Container gegangen und hatte ihn zurückgelassen…

*.*

Währenddessen saß Björn wieder im ‚Family and Friends’ – Bereich und unterhielt sich dort mit einem Offiziellen aus dem norwegischen Team. Er sah erst wieder auf als sich jemand neben ihn setzte, überrascht erkannte er jedoch wer es war. Anton Innauer! Und aus einem seltsamen Grund heraus war ihm klar, dass die Begegnung mit ihm keine angenehme werden würde.

„Das was ich ihnen jetzt sage werde ich ihnen nur ein einziges Mal sagen.“, erklärte Anton plötzlich.

Dabei war seine Stimme so leise, dass niemand außer Björn sie verstehen konnte und sein Blick war direkt auf die Schanze gerichtet.

„Und was wäre das?“, fragte Björn zurück.

„Lassen sie die Finger von meinem Sohn!“

„Ich denke, dass Mario alt genug ist um die Entscheidung mit wem er seine Zeit verbringt selbst treffen kann.“, erwiderte er so ruhig wie möglich.

„Mario ist noch nicht volljährig und so lange habe ich die Verantwortung für ihn. Und sie sind kein geeigneter Umgang für ihn! Also lassen sie ihn in Ruhe! Ich denke ich habe mich klar genug ausgedrückt!“

Ohne Björns Antwort noch abzuwarten war Anton kurz darauf davongegangen. Björn blieb nur völlig fassungslos zurück und schüttelte den Kopf. Was war das jetzt gewesen? Doch genauso wusste er, dass er Mario niemals wegen einer leeren Drohung wie dieser aufgeben würde!

Erst als der Stadionsprecher das Qualifikationsspringen ankündigte schreckte er wieder auf. Dabei nahm er jedoch kaum wahr wie die Ersten ihre Sprünge absolvierten. Schließlich schüttelte er leicht den Kopf, dabei versuchte er jedoch einfach die Erinnerungen abzuschütteln. Schließlich richtete sich seine Aufmerksamkeit jedoch auf Mario der seinen Platz auf der Schanze einnahm. Und in diesem Moment wusste Björn, dass etwas nicht in Ordnung war. Was das war konnte er nicht sagen, aber irgendetwas störte ihn an der Art wie Mario sich bewegte oder besser gesagt seinen Arm. Als er jedoch kurz darauf abgewunken wurde beobachtete Björn seinen Sprung. Und er musste zugeben, dass Roar Recht hatte, Mario hatte eindeutig Talent für diesen Sport. Mit angehaltenem Atem wartete er schließlich darauf wie viele Meter es dieses Mal sein würden. Soweit er das beurteilen konnte war der Sprung sehr weit gewesen. Als er an die Anzeigentafel sah erkannte er auch, dass er es wirklich geschafft hatte. 131,5m! Mario hatte es also doch geschafft.

„Damit schulde ich dir ein Abendessen!“, lächelte Björn.

Überrascht stellte er jedoch fest, dass er fast so etwas wie Stolz auf Mario fühlte. Am liebsten wäre er direkt zu ihm gegangen um ihm zu gratulieren, doch er wollte erst abwarten was Roar aus seinem Sprung machen konnte. Somit wartete er ungeduldig und hibbelig darauf, dass sein bester Freund auf die Schanze stieg.

„Nicht noch mal Roar!“, flüsterte er nur als er ihn endlich erkannte.

Denn dieser wirkte wieder sehr angespannt.

„Du sollst locker bleiben!“, murmelte er und sah aufmerksam auf die Schanze.

Frustriert seufzte er als Roar seinen Sprung wieder verpatzte. Mit 125,5m war er ganze sechs Meter weniger gesprungen als Mario. Für diesen reichte es schließlich zu einem sehr guten 12. Platz während sich Roar mit dem 30. Platz zufrieden geben musste.

„Ach Roar!“, Björn seufzte leise.

Schließlich stand er auf und schob sich durch die Menschen die gerade den Bereich um die Schanze verließen. Dabei war er als erstes auf der Suche nach Mario, um ihm zu gratulieren. Denn er wusste von Roar, dass dieser nun erst einmal Zeit brauchte um sich zu beruhigen. Somit ging er zum Bereich der österreichischen Mannschaft hinüber. Wobei er nicht die Hoffnung hatte Mario alleine zu treffen, denn nach den Springen herrschte immer große Hektik in den Bereichen der Mannschaften. Erschrocken keuchte Björn jedoch auf als er plötzlich gegen jemanden stieß. Als er der Person vor sich dann ins Gesicht sah wurde ihm auch klar wer ihm nun gegenüberstand, nämlich Thomas Morgenstern. Dieser lächelte nur freundlich als er ihn erkannte.

„Mario ist sich kurz umziehen gegangen.“, flüsterte er ihm schließlich zu. „Er kommt aber gleich wieder.“

„Danke!“, erwiderte Björn perplex.

„Passen sie auf ihn auf!“, fügte Thomas noch hinzu und ging dann davon.

Völlig überrascht sah er ihm für ein paar Momente nach. Er wurde jedoch abgelenkt als Mario wiederkam, erstaunt sah er ihn dann an. Mario sah fast schon krampfhaft auf den Boden, seine Jacke hatte er bis oben geschlossen und schien sich darin verstecken zu wollen. Mit langsamen bedachten Schritten kam er wenig später dann zu den Containern. Björn war sich dabei sicher, dass er ihn gesehen hatte, doch Mario wand sich mit einem traurigen Blick von ihm ab und ging in eine andere Richtung davon. Geschockt stand Björn einfach da und schüttelte den Kopf. Was hatte das jetzt zu bedeuten? So schnell er konnte war er Mario dann gefolgt. Ein paar Meter von der Schanze entfernt hatte er ihn auch eingeholt.

„Mario! Mario warte!“, meinte er nur.

Dieser blieb wirklich stehen, doch er vermied es dabei Björn anzusehen. Und er musste gestehen, dass er begann sich Sorgen zu machen. Mehr um seine Aufmerksamkeit zu bekommen legte er Mario schließlich eine Hand auf den linken Arm. Erschrocken zog er sie jedoch wieder zurück als erkannte wie er kurz, unter Schmerzen, zusammenzuckte.

„Hab ich dir wehgetan?“, fragte er besorgt nach.

„Nein!“, Mario schüttelte nur den Kopf.

„Was ist denn dann los?“

Da er ihm nun gar nichts mehr erwiderte nahm Björn vorsichtig dessen Hand in seine und schob den Ärmel der dicken Winterjacke nach oben. Geschockt erkannte er schließlich, dass Marios Handgelenk stark angeschwollen und gerötet war.

„Was ist passiert Mario?“, wollte er besorgt wissen.

Anstelle ihm zu antworten füllten sich seine Augen nun mit Tränen. In diesem Moment zog Björn ihn einfach an sich und hielt ihn fest. Sprechen konnten sie später noch. Jetzt war es erst einmal wichtig Mario zu beruhigen…

 

28.12.08 19:44

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